E-Mails sind komisch
30 Aug 2008

Ich weiß nicht, woran das plötzlich liegt. Gerade habe ich gezögert eine E-Mail loszuschicken. Es kam mir so unwirklich vor. Ich dachte daran, wie es wohl war, als man noch Briefe schrieb. Man schrieb und schrieb, ließ dann die Tinte sorgfältig trocknen, las dabei noch mal drüber, schwenkte das Papier ein paar Mal in der Luft und schnappte dabei den so unnachahmlichen Geruch eines frischgeschriebenen Briefes auf, nahm dann einen Umschlag zur Hand, schrieb die Adresse nieder, öffnete eine Schublade, um eine Briefmarke herauszunehmen und zu befeuchten, klebte sie in die rechte obere Ecke und hauchte ein-, zweimal, um sicherzugehen, dass sie saß, faltete das Briefpapier an zwei Stellen, stopfte es in den Umschlag, fuhr mit der Zunge über die Gummierung auf der Rückseite, wodurch immer ein leichter Geschmack von Klebstoff im Mund zurückblieb, der aber durch ein Glas Mineralwasser schnell weggespült war, ein Glas, welches vor allem schon bereitstand und dessen Prickeln die Gedanken während des Schreibens ordnete und das nach einem letzten Schluck wieder auf den Schreibtisch gestellt wurde, woraufhin man sich erhob, das Zimmer, das Haus verließ und zum Briefkasten an der Ecke ging und den Umschlag hineinfallen ließ. Bald würde das Postauto kommen und den Kasten leeren und den Brief auf seine Reise schicken und dann würde er ankommen und einige Tage später hätte man vielleicht eine Antwort im Kasten. So war das damals, dachte ich, und dann drückte ich auf den “Senden”-Knopf. Und im gleichen Moment war die Nachricht schon beim Empfänger. Das ist unwirklich, komisch und seltsam. Vielleicht werde ich auch einfach alt.







Aug 31, 2008 @ 18:31:07
Das ist sehr schön geschrieben. Ein toller Text, der es wert ist, auf ein Stück Papier geschrieben und versandt zu werden. Auf die altmodische Art, wie du sie so toll beschreibst.