wissenschaft

Roboter mit Gehirn erfunden

Es hört sich erstmal nach Science-Fiction an: an der Universität Reading wurde ein Roboter entwickelt, dessen Herzstück ein biologisches Gehirn ist. Genauer gesagt: er wird von gezüchteten Neuronen gesteuert. Dabei geben ihm die Forscher keine Hilfestellung, er ist auf sich allein gestellt und soll lernen, sich zu bewegen, Objekten auszuweichen. Der Fokus der Forscher liegt nicht darauf, wie man zunächst vermuten könnte, den Grundstein für die Erschaffung von Cyborgs zu legen, sondern zu verstehen, wie unser Gehirn Informationen speichert. Daraus erhofft man sich neue Einsichten in Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson oder Gehirnverletzungen. Professor Kevin Warwick in einer Pressemitteilung der Uni:

This new research is tremendously exciting as firstly the biological brain controls its own moving robot body, and secondly it will enable us to investigate how the brain learns and memorises its experiences. This research will move our understanding forward of how brains work, and could have a profound effect on many areas of science and medicine.

Für den Versuch wurden 60 Neuronen auf eine Elektrodenplatte aufgebracht, die elektrische Impulse an die Zellen weitergibt, wenn sich der Roboter einem Objekt nähert. Die Reaktion der Neuronen darauf wird wiederum in die Steuerung des Roboters umgesetzt. So soll ein Lernprozess in Gang gesetzt werden, den die Forscher eingehend untersuchen wollen. Mit einer Menschmaschine hat das nichts zu tun. Von den 100 Milliarden Neuronen in unserem Gehirn, deren Synapsen die Zahl der Atome im Universum übersteigt (wie wir in der Fabuleux destin d’Amélie Poulain gelernt haben), ist der kleine Roboter weit entfernt. Grundlagenforschung nennt man sowas wohl. Im kommenden Jahr endet das Projekt, dann werden wir wissen, was das künstliche Wesen, vor allem aber was die menschlichen Forscher alles gelernt haben.

Quellen: AlphaGalileo.org, ZDnet

Blackish holish thing

Looking down at collision chamber
Bild: Robert Scoble

Die Möglichkeit, das unsere Erde vom bald in Betrieb gehenden Teilchenbeschleuniger beim CERN in Genf verschluckt wird, ist durchaus gegeben. Sie ist zugegeben sehr gering: eins zu eine Billion im Jahr, wie mal vor einiger Zeit ausgerechnet wurde. Manchmal zählt vielleicht auch nur die Möglichkeit einer Katastrophe und so verwundert es nicht, das gegen die Inbetriebnahme des Teilchenbeschleunigers nun Klage eingereicht wurde – in Honolulu. Nun ist es ebenso unwahrscheinlich, dass Mitarbeiter des CERN in einem Hawaiianischen Gericht auftauchen wie die Idee, dass die Erde in 50 Wochen die Größe eines Würfels haben könnte. Und stoppen wird es das Programm gewiss auch nicht. Aber die Geschichte an sich ist gut, vor allem weil der IHT, die darüber berichtet, keine so schlechte Überschrift eingefallen ist: “Try this headline: Black Hole Eats Earth”. Die Frage ist nur: wer sollte darüber berichten? Wer sollte die Wissenschaftler dann ins Gefängnis werfen, falls sie sich doch geirrt hätten? Und wer könnte noch über die Ironie lächeln, dass die Menschheit die Erde ausgerechnet dabei zerstört hat, wie sie versuchte herauszufinden, was sie im Innersten zusammenhält.

Blaue Augen

blaue Augen

Auf den deutschen Nachrichtenseiten geht gerade diese wunderschöne Geschichte um, dass alle blauäugigen Menschen miteinander verwandt wären. Spiegel Online überschriftet: “Alle Blauäugigen haben den gleichen Urahn”. Und die Süddeutsche lässt sich in einer Bildunterschrift sogar zu einer Vermutung hinreißen, die viele Männerträume zu Inzuchtfantasien werden lassen dürfte: “Wer blaue Augen besitzt, ist vermutlich auch mit Angelina Jolie verwandt. Ziemllich entfernt natürlich.” Der Standard sieht’s weniger romantisch und schreibt schlicht: “Blauäugige sind Nachfahren eines einzigen ‘Iris-Mutanten’”.

Das alles geht zurück auf eine Studie, die in der Onlineausgabe von Human Genetics veröffentlicht wurde und sich hier vollständig einsehen lässt. Im Vergleich zu den Zeitungsartikeln fällt auf, wie Wissenschaftsjournalismus funktioniert: man nehme den wissenschaftlichen Originaltext, befreie ihn von allen Fachbegriffen und Zahlen, extrahiere ein paar griffige Zitate, ersetze etwaige Zeichnungen durch Bilder von Angelina Jolie – voilà!

Und warum haben wir nun unterschiedliche Augenfarben? Da geben sich die Autoren der Zeitungsartikel zumindest ratlos. Steht ja auch nicht in der Studie, deren Ziel war, die genetische Spur der blauen Augen zurückzuverfolgen. Spiegel Online etwa mutmaßt:

Warum sie sich gerade in Nordeuropa so weit verbreitet haben, darüber gibt es bislang nur Spekulationen – etwa, dass die blaue Farbe in dunklen Wintern oder aber an langen, hellen Sommertagen irgendeinen Vorteil bieten könnte. vielleicht fanden Europäer potentielle Geschlechtspartner mit blauen Augen aber auch einfach attraktiv.

Und auch die Süddeutsche folgert:

Womöglich waren die Menschen aber auch schon Tausende Jahre vor Siegfried dem Drachentöter von blauen Augen so fasziniert, dass deren Träger zu attraktiven Sexualpartnern wurden.

So weit, so doof. Die logischte Erklärung kommt aber aus einem zehn Jahre alten Zeit-Artikel, in dem die Frage beantwortet wird, ob eigentlich alle Babys bei der Geburt blaue Augen haben (nein):

Der Zweck der Pigmente besteht lediglich darin, Licht zu absorbieren und so das Auge zu schützen. Deshalb haben auch Menschen in südlichen Ländern meist dunklere Augen als ihre nördlichen Artgenossen.

Wie kompliziert das mit der Vererbung blauer Augen ist, lässt sich ganz einfach am EyeCalculator sehen. So gesehen müssten sich die Menschen in Finnland (90 Prozent Blauäugige) ganz schön angestrengt, um letztlich eine solch hohe Dichte an blauen Augen zu erreichen. Glauben wir also der Theorie der natürlichen Selektion. Und hoffen, dass sich solch interessante Berichte auch vermarkten lassen, ohne eine hübsche blauäugige Frau zu zeigen.

Foto: reportergimmi