wirtschaft

Bad Banks

badbank

Nun bekommen wir sie also auch in Deutschland, die Bad Banks. Ich will ja nicht als Sprachfaschist glänzen, aber: müssen wir das so nennen? Drei Anmerkungen.
Erstens sollte man ja vermuten, dass eine böse, schlechte Bank einen guten Widerpart hat. Hat sie aber nicht, denn die schlechte und die gute Bank gehören zu einem Konzern. So bleibt die Verschiebung von “toxischen” Wertpapieren von einem Keller in den anderen vor allem buchhalterische Alchemie.
Zweitens: Bad. Noch nie hat man im Deutschen dieses Wort mit “schlecht” assoziert. Eher mit Duschen und Wannen oder auch Fangopackungen und Kurschatten.
Drittens bleibt die Frage, wer eigentlich die schlechten Banken verwaltet? Die guten Banker. Und wer überhaupt mit einer Bad Bank Geschäfte machen will? Oder einer guten Bank, der eine schlechte Bank gehört. Das Ganze ist einfach nur eine bad idea.

Kurzer Abriß der Nationalökonomie

Kurt Tucholsky

Nun beginnt es also, das Jahr der schlechten Nachrichten (Merkel). Deswegen gehört hier nun Kurt Tucholsky das Wort, dessen nun folgender Text am 15. September 1931 in der Weltbühne unter dem Pseudonym Kaspar Hauser veröffentlicht wurde:

Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch eine Notverordnung aufgehoben werden.

Über die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir selbe daher mit Stillschweigen übergehn. Sie regierte von 715 vor Christo bis zum Jahre nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber wenigstens, warum. Die Grundlage aller Nationalökonomie ist das sog. ‘Geld’. Mehr →

Wir flexiblen Menschen

Es ist das zweite Mal, dass ich “Der flexible Mensch” von Richard Sennett zu Ende gelesen habe. Eigentlich hatte ich es nach Jahren wieder in die Hände genommen, um mehr über die zunehmende Individualisierung zu erfahren, die Sennett darin beschreibt. Der Originaltitel The Corrosion of Character beschreibt eigentlich ganz gut, worum es geht: durch die neue Arbeitsorganisation im fortgeschrittenen Kapitalismus verlieren die Menschen ihren Halt, ihre Sicherheit und zum Gutteil ihre Perspektiven. Die Fließbandproduktion und die eintönigen Arbeitsabläufe gehören in den modernen Fabriken und Dienstleistungsbetrieben der Vergangenheit an – und damit auch die zugehörigen Lebensentwürfe. Das Buch ist nun vor zehn Jahren erschienen, es gibt einen Nachfolger (The Culture of the New Capitalism, 2005), und man merkt, dass die Gedanken Sennetts stets aktueller werden. Es reicht vielleicht auch auf einen Artikel Sennetts aus der Zeit von 2005 hinzuweisen, in dem er die Grundzüge der Folgen von Flexibilisierung schildert:

Nachdem sich der alte, soziale Kapitalismus aufgelöst hat, erzeugen die neuen Institutionen nur ein geringes Maß an Loyalität und Vertrauen, dafür aber ein hohes Maß an Angst vor Nutzlosigkeit

Die Freiheit des Einzelnen nimmt zu. Das trifft in gewissem Maße auch auf die Medien zu. Die Zeit der großen Verlage und Unternehmungen scheint zu schwinden, die Nutzer erfreuen sich daran, Inhalte selbst in größerer Form ins Netz zu stellen, von Konsumenten zu Produzenten zu werden. Doch tun sie dies wiederum größtenteils im Rahmen anderer, neuer Konglomerate. YouTube, MySpace und Google mögen sympathische Wege sein, die Freiheit der neuen Medien auszukosten, doch unterscheiden sich die wirtschaftlichen Zwänge denen diese Plattformen unterliegen nicht wesentlich von denen eines Fernsehsenders oder eines Zeitungsverlages. Dazu kommt, dass die Anregungen für die produzierenden Konsumenten ebenfalls zum überwiegenden Teil aus der “alten” Medienwelt stammen. Doch derzeit sind es nicht die neuen, medialen Individualisten, die Angst vor Nutzlosigkeit haben. Es sind die Verlage und Sender. Ihre Macht schwindet, je geringer der Aufwand für die Produktion von Inhalten wird. Die Kreativität dafür ist schon lange vorhanden – denn flexibel und blitzgescheit zu sein, das haben uns die vergangenen Jahrzehnte im neuen Kapitalismus gelehrt.

Finanzkrise endlich erklärt

Was Hedge-Fonds-Manager so erzählen

nplus1Aus aktuellem Anlass empfehle ich folgendes Interview aus n+1, ein sowieso recht grandioses Magazin, das zu kaufen ich nur empfehlen kann. Auch weil die Texte eigentlich nix für online sind, weil zu lang. Und Printjournalismus auf diesem Niveau sowieso unterstützt gehört.

n+1: And so the computers themselves are making these trades?
HFM: You build the models and the computer does the trading. You actually do all the analysis. But it’s too many stocks for a human brain to handle, so it’s really just guys with a lot of physics and hardcore statistics backgrounds who come up with ideas about models that might lead to excess return and then they test them and then basically all these models get incorporated into a bigger system that trades stocks in an automated way.
n+1: So the computers are running the…
HFM: Yeah, the computer is sending out the orders and doing the trading.
n+1: It’s just a couple steps from that to the computers enslaving—
HFM: Yes, but I for one welcome our computer trading masters.

Interview with a Hedge Fund Manager, 7. Januar 2008, n+1

hier aufgestöbert