sprache

Bad Banks

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Nun bekommen wir sie also auch in Deutschland, die Bad Banks. Ich will ja nicht als Sprachfaschist glänzen, aber: müssen wir das so nennen? Drei Anmerkungen.
Erstens sollte man ja vermuten, dass eine böse, schlechte Bank einen guten Widerpart hat. Hat sie aber nicht, denn die schlechte und die gute Bank gehören zu einem Konzern. So bleibt die Verschiebung von “toxischen” Wertpapieren von einem Keller in den anderen vor allem buchhalterische Alchemie.
Zweitens: Bad. Noch nie hat man im Deutschen dieses Wort mit “schlecht” assoziert. Eher mit Duschen und Wannen oder auch Fangopackungen und Kurschatten.
Drittens bleibt die Frage, wer eigentlich die schlechten Banken verwaltet? Die guten Banker. Und wer überhaupt mit einer Bad Bank Geschäfte machen will? Oder einer guten Bank, der eine schlechte Bank gehört. Das Ganze ist einfach nur eine bad idea.

Gutmenschen

kirche

Es ist ja wahrscheinlich zwecklos, sich aufzuregen, aber die Verwendung des Wortes “Gutmenschen” oder, schlimmer noch, “Gutmenschentum” lässt mich jedesmal leise zusammenzucken. Denn etwas Gutes ist damit stets nicht gemeint. Nein, der Gutmensch ist in den Augen des ihn so Bezeichnenden ein schlechter, ein lächerlicher, ein nerviger Mensch. Anders als das Wort vermuten lässt, ist es eine Beleidigung. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat sich einmal mit der Herkunft dieses Wortes beschäftigt und ist dabei darauf gekommen, dass es wohl noch nicht besonders alt ist. Bekanntgeworden sei es ohnehin erst 1994, so schreiben die Philologen, als das Wörterbuch des Gutmenschen erschien, ein Buch von Klaus Bittermann. Bittermann beschrieb in seinem Blog 2007, was es mit dem Begriff (und seiner Kritik) auf sich hatte: nicht viel. Der Begriff: gemünzt auf die friedensbewegten, politisch korrekten, phrasendreschenden Sozialromantiker. Die Kritik: Nietzsche, Nazis, Evelyn Finger. Wobei letztere die Frage stellt, die ich mir auch stelle. Was ist eigentlich schlimm daran, Ideale zu haben, Frieden zu fordern oder für Windkraftwerke zu beten? Gut, man kann das alles lächerlich finden und sagen: haha, Sie sind ein Gutmensch. Doch erstens hört sich das Wort, seien wir ehrlich, eher an, als ob es aus dem Mund eines grammatikgeschwächten Gemüsehändlers kommt, dem wir bedeuteten das Restgeld zu behalten. Und zweitens: wäre das Gegenteil von Gutmenschentum nicht Schlechtmenschentum? Und wäre das dann etwas Gutes? Dann wünsche ich allen Gutmenschen noch einen schlechten Tag!

Wahrheit und Sprache

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Ich bin auf etwas Interessantes gestoßen, zufällig natürlich. Angefangen hatte alles mit einem Blog, der auf die Foodtimeline hinwies (welcher weiß ich leider nicht mehr). Auf der Zeitachse jedenfalls kann man recht gut erkennen, wann welche Nahrungsmittel und Rezepte zuerst auf dem Speiseplan standen. Käsekuchen zum Beispiel im 1. Jahrhundert. Na, und so weiter, ganz interessant eben. Da stehen natürlich auf French Fries drinnen und dann erinnerte ich mich, dass die doch mal in den U.S.A. in Freedom Fried umbenannt wurden. Im Repräsentantenhaus ist man bereits 2006 wieder davon abgekommen und serviert wieder French Fries, wobei sie wohl ursprünglich sowieso aus Belgien kommen, aber das nur nebenbei. Die Idee mit den Freedom Fries geht laut diesem BBC-Artikel wohl auf eine Maßnahme im Ersten Weltkrieg zurück. Damals wurden im kollektiven Anti-Deutschen-Wahn auch die Frankfurter in Hot Dogs umbenannt und Sauerkraut in liberty cabbage. In der Wikipedia kann man noch mehr Beispiele nachlesen. Etwa dass nach dem Eintritt Italiens in den Großen Krieg kein italienischer Salat mehr in Berlin serviert wurde (jedenfalls in den patriotischeren Restaurants). Und Großbritannien erst:

United Kingdom: During World War I, the German Shepherd was renamed the “Alsatian,” and German biscuits were renamed Empire biscuits due to strong anti-German sentiment. Perhaps most famously, in 1917 the name of the royal family was changed by George V to Windsor from the German surname Wettin and house name Saxe-Coburg and Gotha.

Das alles wirft ein besonderes Licht auf die Versuche, durch Sprache die Wirklichkeit zu verändern. Die Reinigung der Sprache von ausländischen Einflüssen, von Einflüssen, die zu bestimmten Zeiten nicht erwünscht waren, war und ist wohl ein beliebtes Mittel der Einflussnahme. Die Freedom Fries haben sich, anders als die Hot Dogs, nicht durchgesetzt. Ist ja auch ein langweiliges Wort. Hot Dogs ruft schließlich wahre Assoziationsketten hervor, auch wenn die nicht unbedingt positiv sein mögen. Freedom Fries – ich weiß nicht, da hätte man noch dran feilen sollen. Einfach nur Fries hätte es vielleicht auch getan. Oder das englische Chips?

Sprache umschreibt die Wirklichkeit eben immer nur. Manchmal schöner, manchmal weniger gut. Die Wahrheit jedenfalls lässt sich durch kein neues Wort kaschieren: dass es nämlich frittierte Kartoffeln sind. Wie sie nun möglichst griffig bezeichnet werden, ist dafür per se erst einmal egal. Hauptsache sie schmecken.

Kopieren und einfügen

Apfelbaum im Mai

Gestern war ich im Pfingstgottesdienst und hab keinen Liederzettel mehr abgekommen, weil die Kirche so voll war (Konfirmation! Im Protestantenland Niedersachsen!) und deswegen konnte ich also auch nicht mitsingen und mitmurmeln, zumindest nicht mit aufs Blatt geneigtem Kopf. Aber mir fiel auf: ich konnte erstaunlich viel Text, dabei gilt doch unsere Generation als durchweg ignorant und schlecht gebildet und ebenso sprung- wie flatterhaft. Die Wahrheit ist: es bleibt mehr hängen, als einem lieb sein kann. Sogar die ersten Strophen von Taufliedern (“Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heil’ger Geist”), Vater unser und evangelisches Glaubensbekenntnis versteht sich ja eh von selbst, dann die Zwischenlieder, Kýrie eléison und so fort.
Die Sache mit auswendiggelerntem Wissen ist: es ist da, nur eben nicht auf Abruf oder auf Kommando, weil ja eigentlich immer irgendwo ein Internetanschluss in der Nähe lauert, wozu also Auswendiglernen, wozu Rezitieren?
Das Kopieren und Einfügen ist eine schicke Sache, aber sie macht uns nicht aus. Vielmehr als Wissen im Geiste zu horten sind wir in der Lage, Wissen aufzudecken, zu finden und, naklar, zu googlen. Der Wissensschatz ist groß geworden, die Bildung geht in die Breite. Natürlich kann es schick sein, alte Verse zu rezitieren. Aber schicker ist es, etwas aus ihnen zu machen, ihre Bedeutung zu diskutieren, sie auf den Prüfstand zu legen und auch sie zu ehren, in dem sie bruchstückhaft einfließen, in dem sie durchs Zitieren am Leben erhalten werden. Das Remixen von Wissen ist alles andere als ein Rückschritt. Es zeigt nur, wie Menschen schon immer gearbeitet haben: ohne Rückgriff auf schon Gedachtes, schon Geleistetes geht es nicht. Bloß das die Transparenz dieses Verfahrens heute größer ist als einst. Deswegen, schnell einkopiert, zum Auswendiglernen Einleitendes zu Reineke Fuchs von JWG:

“Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen; es grünten und blühten / Feld und Wald; auf Hügeln und Höh´n, in Büschen und Hecken, / Übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel; / Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen, / Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

Beseeltes Ei

Namen für den Gingko-Baum:

Beseeltes Ei, Elefantenohrbaum, Entenfußbaum, Fächerblattbaum, Frauenhaarbaum, Goethebaum, Goldfruchtbaum, Großvater-Enkel-Baum (der Großvater pflanzt den Baum, der Enkel kann dann die „Früchte“ ernten), Japanbaum, Japanischer Nussbaum, Mädchenhaarbaum, Silberaprikose, Tausend Taler, Tempelbaum, Weiße Frucht

Quelle: wikipedia

Neue Wörter

Lesen bildet ja so unheimlich. Gerade zum Beispiel las ich bei heise.de eine Meldung über die Webseite wikileaks (“Wikileaks erhält Domain zurück“) und schwups, neues Wort: Streisand-Effekt. Sagt man, wenn eine Tatsache, die man lieber untern den Tisch kehren und aus dem Internet verbannen würde, durch die Aufregung um die Zensur auf so vielen Webseiten gespiegelt wird, dass sie danach noch bekannter ist als zuvor. So ungefähr jedenfalls die Erklärung bei Wikipedia, wo auch steht, dass die Schauspielerin Barbara Streisand als Erste mit dieser Neuerung des Informationszeitalters konfrontiert wurde und der Effekt daher nun ihren Namen trägt. Und so verwundert es auch nicht, das es eine Webseite gibt, die solche Streisand-Effekte zusammenträgt:www.thestreisandeffect.com.

Außerdem gelernt in den vergangenen Wochen:
- Tucke beziehungsweise Tuppe (als Bezeichnung für eine nicht mehr ganz so rüstige, ältere Frau)
- Dromologie
- Sumsen

wird fortgesetzt