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Überraschung! Die NPD ist rechts

Der Spiegel und die taz veröffentlichen Details aus internen E-Mails der NPD. Um es kurz zu machen: dass die NPD-Anhänger Ausländer nicht leiden mögen, ja, sie gar beschimpfen, außer Landes wissen möchten, dass sie sich ins Reich zurückwünschen, das ist alles keine Neuigkeit. Dass Neonazis unter ihresgleichen offensichtlicher hetzen als in der Öffentlichkeit: big deal! Dass es ein neues Verbotsverfahren bräuchte: eine Binsenweisheit. Was also hat sie gebracht, die große Aufdeckung von 60.000 Briefen? Nun, zum Beispiel die Erkenntnis, dass die taz kein Wort über Datenschutz verliert – nur lapidar mitteilt, dass der kleine veröffentlichte Teil der Mails geprüft wurde und teilweise zensiert. Die Frage, ob das sonst so vehement geforderte Recht auf Privatsphäre auch für Neonazis gilt, wurde gar nicht erst gestellt. Weil man sie sich schon selbst beantwortet hatte.

Der Bürgerpräsident

Wie heißt es doch: betrachten Sie immer beide Seiten einer Geschichte. Die Geschichte ist in diesem Fall eigentlich keine. Aber im ausgehenden Sommerloch immer gerne genommen: wo urlauben unsere Politiker. Die Bild-Zeitung konnte mit Leserreporter-Fotos von Bundespräsident Christian Wulff nebst Gattin und Anhang auf Mallorca aufwarten. Nach den Jubelarien in der Bild vor und nach der Wahl verwunderte die Schlagzeile wenig: “So normal macht Papa Präsident Urlaub.”

Und so geht’s weiter: “ER in blauer Leinenhose und kariertem Hemd, SIE im weißen Jeans-Rock mit Blümchen-Bluse – so „normal“ spaziert Bundespräsident Christian Wulff (51) mit First Lady Bettina (36) durch Port Andratx auf Mallorca.” usw. usf.

Spiegel online wusste am selben Tag folgendes zu berichten:

So schön kann Mallorca-Urlaub sein: Bundespräsident Wulff und Familie haben sich im Luxusanwesen ihres Freundes Carsten Maschmeyer entspannt. Natürlich, so betont das Präsidialamt, hat Wulff sich nicht einladen lassen. Doch ein Geschmäckle bleibt.

So normal wie Papa Präsident eben Urlaub macht.

Nichts zu beanstanden

Zunächst mal (wieder): neosushi-Leser wissen mehr, zumindest wenn sie den Hinweis und die paar losen Gedanken zum Nicholas-Carr-Artikel “Is Google Making Us Stupid?” gelesen haben, die unter der Überschrift “Wir Maschinenmenschen” hier am 11. Juni 2008 veröffentlicht wurden, exakt zwei Monate bevor heute der Spiegel mit der gleichen Geschichte aufmacht – was natürlich im Hinblick auf die verachtenswürdige Copy&Paste-Generation nur als ironische Volte begriffen werden kann.

Aber genug des Eigenlobs. Nicht genug jedoch vom Internet. Dort habe ich heute eine Software heruntergeladen, die Freedom heißt und alle Verbindungen ins Datennetzwerk für eine gewisse Zeit kappt, so dass man sich auf die wichtigeren Sachen im Leben konzentrieren kann (etwa den Spiegel lesen, aufräumen oder mal raus gehen).

Was das alles mit dem oben abgebildeten Schild zu tun hat? Nichts. Aber diese und mehr solch wunderbare Lakonie findet sich bei Jean Jullien. Genau das Richtige, um sich die Zeit zu vertreiben. In diesem Zusammenhang kann man auch mal anklicken: die Fotos von Jeremy und Claire Weiss, die Illustrationen von Kaloian Toshev oder direkt den Design/Fotografie/Sammelsurium-Blog Yay! Monday!, der solche Perlen jeden Montag aus dem schier unendlichen Internet gräbt und das alles unter dem zurückhaltenden Titel “A weekly collection of things to look at” unters Volk wirft.

Und abseites des blöden Internets? Hört Euch das neue Album von Klee an, das noch kitschiger ist als die davor, aber trotzdem zwischendrin schöne Textzeilen hat. Lest den Aufsatz von Shai Agassi in der August-Ausgabe des Liebling und erfahrt, warum und wie Elektroautos die Zukunft gehört. Geht am Sonntag zum Saasfee-Kiosk im Frankfurter Ostend und lasst Euch überraschen. Und schaut nicht soviel fern. Soll doof machen. Zumindest laut diesem Spiegel-Artikel vom April 1950.

Dan Rather

Dan Rather
Foto: scriptingnews

Diese Woche Spiegel kaufen, lohnt sich. Da ist zum Beispiel ein schönes, manchmal vielleicht ein bisschen zu wohlwollendes Porträt der US-Reporterlegende Dan Rather drin, in dem der Kampf beschrieben wird, den der Journalist derzeit mit seinem einstigen Arbeitgeber CBS News ausfechtet. Aber auch wunderbare Zitate von Rather wie dieses:

Die Distanz zwischen denen, die die Konglomerate führen, und den Journalisten wird größer und größer und damit verschwindet selbst in den Medien das Verständnis dafür, dass Nachrichten ein öffentliches Gut sind. Die Frage ist, ob man die Öffentlichkeit dafür interessieren kann und ob sie noch wach ist, zu bemerken, was sich da verändert.”

Aus: Die letzte Meldung, Spiegel 5/2008
Mehr zu Dan Rather bei Wikipedia.

Das hat Stil

Schon cool, dass der scheidende Spiegel-Scheffe Stefan Aust für seinen schärfsten Konkurrenten Focus ne Exklusivmeldung produziert. Oder umgekehrt. Wie auch immer: sowas hätts bei Augstein nicht gegeben :)