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Überraschung! Die NPD ist rechts

Der Spiegel und die taz veröffentlichen Details aus internen E-Mails der NPD. Um es kurz zu machen: dass die NPD-Anhänger Ausländer nicht leiden mögen, ja, sie gar beschimpfen, außer Landes wissen möchten, dass sie sich ins Reich zurückwünschen, das ist alles keine Neuigkeit. Dass Neonazis unter ihresgleichen offensichtlicher hetzen als in der Öffentlichkeit: big deal! Dass es ein neues Verbotsverfahren bräuchte: eine Binsenweisheit. Was also hat sie gebracht, die große Aufdeckung von 60.000 Briefen? Nun, zum Beispiel die Erkenntnis, dass die taz kein Wort über Datenschutz verliert – nur lapidar mitteilt, dass der kleine veröffentlichte Teil der Mails geprüft wurde und teilweise zensiert. Die Frage, ob das sonst so vehement geforderte Recht auf Privatsphäre auch für Neonazis gilt, wurde gar nicht erst gestellt. Weil man sie sich schon selbst beantwortet hatte.

Die feinen Spam-Arier bei der taz

Ich mag ja die tageszeitung. Immer schön links und so. Doch dieser Spam-Filter unter der Kommentarfunktion ist zwar nett, weil man nur richtige Wörter abschreiben muss und nicht irgendwelchen Buchstabensalat. Aber, was für Wörter, sage ich Ihnen. Zuerst sollte ich folgendes eingeben:

Arier? War mir ein bisschen zu seltsam, also forderte ich ein neues Wort an. Dann kam folgendes:

Meinen die das wirklich ernst? Da ist ja die Spamabfrage nazihafter als jeder Kommentar auf welt.de…

Update // Ich habe dann noch eine Mail geschrieben an die tazler, aber mittlerweile auch selbst rausgefunden, wie das kommen kann. Benutzt wird ein Plugin für Typo3, das sogenannte sr_freecap. Darin enthalten ist eine Liste mit Wörtern, die unter den Kommentaren angezeigt werden und in dieser Liste findet man unter anderem Arier und Gastod, aber auch 19853 andere Wörter wie He-Man, Muschi oder Ostjude. Es ist also alles in Ordnung.

Nazinetze

Hurra, endlich geht es den Nazis an den Kragen: der Holtzbrinck-Verlag hat sein Portal Netz-gegen-Nazis.de an den Start gebracht. Dort lässt sich nachlesen, was zu tun ist, wenn Kameradschaften die Runde machen, wenn rechte Sprüche in der S-Bahn geklopft werden oder am Stammtisch und was gegen rechte Gewalt zu tun ist. Die Zeit nennt ihre neue Webseite “Ratgeberportal gegen Rechtsextremismus” und weil das alles so gut und so richtig ist, hat man auch gleich den Olympischen Sportbund, den Feuerwehrverband, den DFB, die Fußball-Liga, das ZDF und VZ-Gruppe (schülerVZ, studiVZ und meinVZ) mit ins Boot geholt, um gegen rechte Strömungen anzupaddeln. Was will man dagegen schon sagen? Nun, zitieren wir Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo aus seinem Editorial zum Portalstart:

In Deutschland gibt es zum Glück schon viele gute Initiativen gegen Rechtsextremismus

Genau. Zum Beispiel seit fünf Jahren die Seite Mut gegen rechte Gewalt, auf der aber dummerweise das Logo des stern prangt. Die Mitarbeiter letztgenannter finden’s schön, dass das Thema endlich die Mitte der Gesellschaft erreicht habe und verweisen gleich auf ein Dutzend anderer Seiten, die im Internet ähnliche Interessen verfolgen. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung will demnächst Gas geben, eine prägnante Adresse hat sich der Trägerverein “Gegen Vergessen fuer Demokratie e.V.” schon mal gesichert: www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de. Über zu wenig Information dürfen wir uns also nun erst recht nicht beschweren. Dass aber ein Portal nach dem anderen eröffnet werden muss, anstatt mit den anderen zu kooperieren und so eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen, hat vielleicht auch einen ganz profanen Grund: öffentliche Aufmerksamkeit. Und die teilt man nicht gerne mit anderen. Zuviele Logos auf einem Fleck sehen ja auch nie schön aus. Wobei das Logo von netz-gegen-nazis.de auch allein nicht so wirklich gelungen wirkt. Aber antifaschistisch ist es ja schon irgendwie:

logovergleich