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Podpress

Mal ‘ne Frage an die Blogprofis: gibt’s irgendeinen Trick um WordPress 2.7 und Podpress zur Zusammenarbeit zu bewegen? Drüben beim Pflasterstrand lassen sich nämlich seit dem Update keine Artikel mehr in die Zukunft pflanzen. Wenn Podpress ausgeschaltet ist, geht’s aber einwandfrei (auch der neue Quick Edit geht nicht mit Podpress)…

Als Ausweichmanöver habe ich jetzt mal Powerpress installiert, was auch nicht so verkehrt aussieht und zumindest die alten Podcasts auch stehen lässt – nur der iTunes-Feed ist damit äußerst leer… ich hasse Technik.

Nichts zu beanstanden

Zunächst mal (wieder): neosushi-Leser wissen mehr, zumindest wenn sie den Hinweis und die paar losen Gedanken zum Nicholas-Carr-Artikel “Is Google Making Us Stupid?” gelesen haben, die unter der Überschrift “Wir Maschinenmenschen” hier am 11. Juni 2008 veröffentlicht wurden, exakt zwei Monate bevor heute der Spiegel mit der gleichen Geschichte aufmacht – was natürlich im Hinblick auf die verachtenswürdige Copy&Paste-Generation nur als ironische Volte begriffen werden kann.

Aber genug des Eigenlobs. Nicht genug jedoch vom Internet. Dort habe ich heute eine Software heruntergeladen, die Freedom heißt und alle Verbindungen ins Datennetzwerk für eine gewisse Zeit kappt, so dass man sich auf die wichtigeren Sachen im Leben konzentrieren kann (etwa den Spiegel lesen, aufräumen oder mal raus gehen).

Was das alles mit dem oben abgebildeten Schild zu tun hat? Nichts. Aber diese und mehr solch wunderbare Lakonie findet sich bei Jean Jullien. Genau das Richtige, um sich die Zeit zu vertreiben. In diesem Zusammenhang kann man auch mal anklicken: die Fotos von Jeremy und Claire Weiss, die Illustrationen von Kaloian Toshev oder direkt den Design/Fotografie/Sammelsurium-Blog Yay! Monday!, der solche Perlen jeden Montag aus dem schier unendlichen Internet gräbt und das alles unter dem zurückhaltenden Titel “A weekly collection of things to look at” unters Volk wirft.

Und abseites des blöden Internets? Hört Euch das neue Album von Klee an, das noch kitschiger ist als die davor, aber trotzdem zwischendrin schöne Textzeilen hat. Lest den Aufsatz von Shai Agassi in der August-Ausgabe des Liebling und erfahrt, warum und wie Elektroautos die Zukunft gehört. Geht am Sonntag zum Saasfee-Kiosk im Frankfurter Ostend und lasst Euch überraschen. Und schaut nicht soviel fern. Soll doof machen. Zumindest laut diesem Spiegel-Artikel vom April 1950.

Das Ende des Breitbands?

In den USA machen sich einige Internetprovider daran, die Zeit zurückzudrehen: sie schaffen die Flatrate wieder ab, die volumenbasierten Tarife kehren zurück. Noch sind es nicht mehr als Experimente, die zugrundeliegende Frage aber ist klar: warum soll jemand, der mehr Bandbreite verbraucht, nicht auch mehr dafür zahlen. Die New York Times berichtet von drei verschiedenen Beispielen: ein monatliches Kontingent, eine Verlangsamung der Internetverbindung bei “heavy users” und eine volumenbasierte Abrechnung. Solche Tarife werden sich nur schwierig wieder einführen lassen. Nach Jahren der kostengünstigen DSL-Flats sieht das in Deutschland genauso aus. Die Frage bleibt aber: wer bezahlt den ganzen Spaß? Durch Videos und Internetfernsehen, durch (legale wie illegale) Filmdownloads nimmt der Datendurchsatz stetig zu. Das geht nur so weiter, solange wir nicht an Download-Limits und zwangsverlangsamte Internetverbindungen zu denken haben. Hier zeigt sich auch, auf welch Füßen der derzeitige Netzaufschwung steht. Vielleicht wäre ein grundsätzliches Recht auf schnelles und unbegrenztes Netzvergnügen nicht die falscheste Entscheidung. Wenn, wann nicht jetzt, wollte man der Telekommunikationsbranche ein solches Gesetz nicht abtrotzen? In Zukunft könnte es weit teurer erkauft sein.

Foto: vanz/flickr

Playboy-Pessimismus

Gunter Sachs sagt im SZ-Interview nicht nur wie man Frauen wie Brigitte Bardot rumkriegt (Dinner am Strand), sondern auch dies hier:

(…) Aber lassen Sie mich noch eins sagen, über die größte Gefahr, die der Menschheit droht.

SZ: Nämlich?

Sachs: Das Internet. Das Internet kann alles. Es hilft anonym beim Bombenbau oder sich schlachten zu lassen. Es verbreitet Wahrheit oder Lüge, ohne sich zu demaskieren. Es handelt mit Rauschmitteln wie mit allem Perversen. Es kann, ohne Gefahr zu laufen, mehr Unheil anrichten als jede tödliche Seuche. Aber zugegeben, es macht die Welt auch klüger. Doch – wollen wir das?

Was jetzt? Dass die Welt (also auch Gunter Sachs) klüger wird? Wäre nicht schlecht …

A small world

Erde

Die Welt ein Dorf, Teil zweimillionenirgendwas, aber dennoch immer wieder erstaunlich. Also, ich lese im wunderbaren Design-Blog Monoscape über Andrej Glusgold. ich klicke drauf und lande beim französischen Fotografie/Kunst-Blog la main gauche. Dort wiederum finde ich dieses tolle Bild, düster, strange, wunderbar.

Die Künstlerin heißt Anke Merzbach und – tadaa! – wohnt in meiner Stadt. Unglaublich, oder? Und jetzt: schaut Euch ihre Seite an.

Foto: NASA

Die Blase, in der wir leben

Living in a Bubble

Ich lese viel. Ich denke zwar, es ist immer noch wenig, weil so wenig Zeit, so viele Buchstaben. Aber dennoch bin ich immer überrascht, wenn ich Menschen treffe, die so wenig lesen, dass sie die Bild-Zeitung oder den Einkaufszettel zu ihren konsumierten Medien zählen. Der Grund für mein Erstaunen ist, abgesehen von einer elitär-geprägten geistigen Grundhaltung natürlich, dass ich auch viele Leute kenne, die viel lesen. Und wenige die gar nicht lesen. Dabei sind die letzteren in der Überzahl. Eindeutig in der Überzahl. Und nun wage ich mal die für mich beunruhigende Annahme: es werden mehr werden. Nur auffallen wird mir das nicht. Weil wir in einer Blase leben. Die Vermischung von Schichten findet nicht statt, und die Abgrenzung zwischen verschieden gebildeten Menschen nimmt zu. Die Stadt macht’s möglich. Ist ja auch irgendwie klar: während sich früher alle freitags bei der freiwilligen Feuerwehr oder im Tante-Emma-Laden oder in der Dorfschenke trafen, hat die Individualisierung dazu geführt, dass wir in der Wahl unserer Bezugspersonen größere Freiheit und damit zugleich geringere Toleranz walten lassen. Kaum ein Akademiker, der sich mit einem Realschulabsolventen trifft. Ist vielleicht traurig, aber die Realität.

In den USA, die uns ja – so wird behauptet – immer so fünf bis zehn Jahre voraus sind, wird gerade schon mal das Ende des Lesens ausgerufen. Interessant zum Beispiel, was Steve Jobs der New York Times zum neuen eBook-Lesegerät Kindle sagt:

“It doesn’t matter how good or bad the product is, the fact is that people don’t read anymore,” he said. “Forty percent of the people in the U.S. read one book or less last year. The whole conception is flawed at the top because people don’t read anymore.”

The Passion of Steve Jobs by John Markoff, New York Times

Demnach hat das Buch egal ob nun elektronisch oder nicht als Businessmodell ausgedient. Zumindest als Big-Business-Modell. Denn es gibt ja noch uns, die In-der-Blase-lebenden. Die anderen, so schlussfolgert Caleb Crain im New Yorker, verlieren nicht nur die Lust am Lesen, sondern auch die Fähigkeit dazu:

According to the Department of Education, between 1992 and 2003 the average adult’s skill in reading prose slipped one point on a five-hundred-point scale, and the proportion who were proficient—capable of such tasks as “comparing viewpoints in two editorials”—declined from fifteen per cent to thirteen.

Twilight of the Books by Caleb Crain, New Yorker

Keineswegs, so führt Crain fort, ein Problem in den USA – die interessanteste Studie zu dem Thema komme mitten aus old europe, den Niederlanden, genauer gesagt. Selbst ältere Menschen lesen nicht mehr in dem Maße, in dem sie es früher taten.

Mich stimmt das traurig. Bislang habe ich immer die These vertreten, dass Jugendliche ja noch nie Tageszeitungen gelesen haben, sondern ihre Zeit eben mit Langeweile, grenzenloser Unsicherheit, Egozentrik, SMS und Knutschen verbracht haben und auch in 500 Jahren verbringen werden. Was ja auch großartig ist, auf seine Art. Wenn nun aber auch immer mehr 40-Jährige weniger Leselust haben, erklärt das auch, warum der Konsum von Gedrucktem weniger wird.

Und zum Schluss will ich mir die Wahrheit keineswegs zurechtlegen, sondern nur eine Frage stellen: Könnte es sein, dass Printprodukte einfach deswegen weniger verkauft werden, weil die Leute weniger lesen? Und das böse Internet mit seinen Blogs und Podcasts nur wenig damit zu tun hat? Machen wir’s uns in unserer Blase gemütlich!

Foto: quatro.sinko