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Ein neuer Trend?

Vielleicht mögen Sie nun denken, dieses Tagebuch sei nicht nur mehr oder weniger ein Wochenbuch, sondern vielleicht gar ein Zweiwochenbuch geworden, so unregelmäßig erschienen mittlerweile die Beiträge, nein, Sie könnten auch einwenden, dass es zu einem gewissen Niveauverlust gekommen sei. Diesen Eindruck möchte ich gar nicht erst versuchen, zu bestätigen, doch erstens bin ich anderweitig nicht untätig gewesen und zweitens ist mir ein neuer Trend aufgefallen. Dass Toilettenwände dafür genutzt werden, Schriftsprache zu hinterlassen, ist gewiss nichts Neues. Doch recht oft bin ich nun schon dem Phänomen begegnet, dass dort kaum noch “Wer das hier liest ist doof” zu lesen ist oder gar “USA-SA-SS” oder ähnliche sinnfreie Sprüche, sondern weibliche Vornamen. Das Wort “Anna”, das ich leider mit meiner üblen Handykamera im Dimmerlicht aufnehmen musste, stand zum Beispiel in einer Herrentoilette Frankfurts. Auch “Jenny” habe ich bereits entdeckt. Einmal sogar “Marie”. Ja, wirklich. Jedenfalls: das hat keinen Stil. Nicht nur, dass nicht klar über die Gefühle zu dieser oder jener Dame Auskunft gegeben wird, es steht dort einfach nur ein Name, sondern auch, dass diese Namen in einem recht unappetitlichen Kontext, nämlich öffentlichen Toiletten, zum Ausdruck kommen, verstehe ich nicht ganz. Spricht daraus Hass, Abneigung? Oder doch der Zwang, den Namen seiner Liebsten einfach überall zu hinterlassen, wo man sich, wenn auch nur kurz, niederlässt, also auch an den widrigsten Orten?

Aus naheliegenden Gründen weiß ich nicht, wie es auf den Damentoiletten aussieht. Sollte dort dieser Brauch jedoch auch gepflegt werden, so sollte die derzeit so eifrig Trends hinterherhoppelnde Internetseite der Süddeutschen Zeitung schleunigst eine möglichst hundertseitige Klickstrecke mit den am meisten auf Klowänden hinterlassenen Vornamen anfertigen und vielleicht Diedrich Diedrichsen dazu einladen, dieses im Feuilleton zu dialektisieren. Und morgen schreibe ich dann auch wieder über niveauvollere Beobachtungen. Versprochen!

Irgendwie süß

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by wooster collective