film

Audrey Hepburn

ah

“You’ve got to learn to like yourself a little more”, soll Cary Grant zu seiner Kollegin auf dem Set von Charade gesagt haben. Grant war da ein fast 60-jähriger Mann, der sein Hemd in einer Szene im Bad anbehalten sollte, weil man seinen nicht mehr gerade ebenmäßig geformter Körper dem Publikum vorenthalten wollte. Aber es stimmte ja, was er sagte: in Sachen Selbstbildnis konnte die 27 Jahre jüngere Audrey Hepburn noch einiges von diesem Haudegen lernen. Das Bild, das die Öffentlichkeit von ihr hatte, war hingegen schon längst gefestigt, als Charade 1963 in die Kinos kam. Zehn Jahre zuvor hatte sie bereits für ihre Hauptrolle in William Wylers Roman Holiday einen Oscar bekommen. Der zweite folgte auf dem Fuße für den wunderbaren Streifen Sabrina von Billy Wilder (, in dem sie Piafs La vie en rose singt). Magazine wie Time heben Miss Hepburn aufs Titelblatt, Romanzen mit ihrem Filmpartner Gregory Peck werden ihr nachgesagt (, was sie charmant verneint), kurzum: sie ist ein Star. Und dabei so ganz anders als die anderen Stars. Sie ist schlank und jungenhaft, trägt ihre Haare kurz, ist brünett, nicht blond, die Anti-Marilyn, dabei stilbewusst, eine Mode-Ikone, die bis in die heutige Zeit hineinwirkt und deren Bild unverrückbar mit Breakfast at Tiffany’s verwoben ist; in der Romanvorlage von Truman Capote heißt es an einer (besonders schönen) Stelle:

Sie war immer noch auf der Treppe, erreichte jetzt den Absatz, und die kunterbunten Farben ihrer Jungshaare, goldbraune Strähnen, weißblonde und gelbe Streifen, leuchteten im Licht der Treppenlampe. Es war ein warmer Abend, beinahe Sommer, und sie trug ein enges, schlichtes schwarzes Kleid, schwarze Sandaletten und eine breite Perlenkette, die ihren Hals wie ein Reif umschloss. Bei all ihrer schicken Magerkeit strahlte sie eine Haferflocken-Gesundheit aus, eine Seifen- und Zitronen-Reinlichkeit, und auf ihren Wangen lag eine raue Röte. Sie hatte einen großen Mund und eine Stupsnase. Eine Sonnenbrille verbarg ihre Augen. Es war ein Gesicht, das nicht mehr ganz in der Kindheit zu Hause war und schon einer Frau gehörte.

Es könnte eine Beschreibung von Audrey Hepburn sein, doch diese Rolle verlangte ihr, der Nachdenklichen, eine Menge ab: “I’m an introvert anyway”, sagt sie der New York Times. “Playing the extroverted girl in Breakfast at Tiffany’s was the hardest thing I ever did.” Ironischerweise verlangte Capote selbst nach der Monroe – und ärgerte sich schließlich über die Wahl des Regisseurs ebenso wie über die recht freie Umgangsweise mit der Romanvorlage, die – das würde man heute wahrscheinlich gar nicht anders machen – das offene Ende zu einem glücklichen verbiegt. Doch denkt man zuerst an eben diesen Film. Und wenn man das Buch liest, denkt man an Hepburn. Und wenn man an sie denkt, lächelt man verliebt in sich hinein.

Am 4. Mai wäre sie achtzig Jahre alt geworden. Im Fernsehen kann man sich am 3. Mai um 0.05 Charade in der ARD anschauen. Das ist eine doofe Uhrzeit. Besser also den Weg ins Frankfurter Filmmuseum antreten, dort werden vom 2. Mai an Breakfast at Tiffany’s, Roman Holiday, Sabrina, Love in the Afternoon, The Nun’s Story, Funny Face, My Fair Lady, Wait Until Dark, Always, The Unforgiven, War and Peace und Charade gezeigt. Was will man mehr?

Frost/Nixon

frostnixon

Ein bisschen Vorwissen ist schon gefragt, naja, zumindest Watergate sollte man schon mal gehört haben. Dann aber kann es losgehen: 122 Minuten amerikanische Politik, die nicht langweilig wird, obwohl es die Originalinterviews wohl waren, aber meine Güte: die tagelang andauernden Gespräche zwischen britischem, nunja: eher Moderator als Reporter und amerikanischem, nunja: eher Verbrecher als Präsidenten, wurden im Fernsehen in viermal 90 MInuten gezeigt, dass da viel heiße Luft dabei sein musste ist irgendwie logisch. Der Film widmet sich nicht nur akribisch den Interviews, sondern auch den Vorbereitungen. Denn Frost hat Probleme mit seinen Unterhaltungsshows in Australien und anderswo. Nixon ist erstaunt über das viele Geld, dass ihm der gewiefte Frost bietet, der dieses aber erst einmal auftreiben muss. Was bei einem dann doch recht extravaganten Lebensstil nicht unbedingt einfach ist, besonders wenn potentielle Finanziers nicht glauben, dass dieser Luftikuss gegen Nixon wirklich was reißen kann. Nixon selbst glaubt es wohl auch nicht, was ihm schließlich in einer wunderbaren Szene zum Verhängnis wird. Gedreht hat Regisseur Ron Howard diesen Film in einer Mischung aus Zeitdokument und Fiktion – und die Tatsache, dass der stoffelige Nixon einem irgendwie dann doch ein wenig sympathisch ist und der Engländer nicht so wirklich und sich das alles im Film schließlich dreht und dabei so geschickt, dass man es glaubt, das ist die wirkliche Leistung eines Films, über dessen Ausgang und Thema man schon das meiste weiß. Dass die Schauspieler bis in die Nebenrollen hinein fantastisch sind: nur ein Grund mehr, den Film nicht zu verpassen.

Der neue Bond

Gestern war ich im neuen Bond. Der deutsche Titel “Ein Quantum Trost” ist natürlich indiskutabel. Und sonst? Sehr seltsam. James trinkt keinen Martini mehr. Q ist nicht mehr der Mann mit den Gadgets, sondern die mysteriöse Organisation des Bösewichts (Q wie Quantum). Der Bösewicht hat keinen coolen Namen wie Goldfinger, Le Chiffre oder Dr. No, sondern heißt Dominic Greene. Moneypenny ist unwiderbringlich verloren, mit der neuen Bürokraft steigt Bond gleich ins Bett – wie man schon in den unschuldigen Guckindielufts auf dem Szenenfoto oben sieht. Zu sehen gibt’s aber nur eine züchtige Ich-knutsch-Deinen-Rücken-Szene. Mit dem neuen Bondgirl bekommt’s 007 nicht auf die Reihe. Auch nicht am Ende. Machosprüche: Fehlanzeige. Und ansonsten: viel Action, wenig Handlung, ultraschnelle Musikvideoschnitte, nervige Titelmelodie – ein echter Bond also minus James Bond. Kann man sich angucken, wenn man nicht zuviel erwartet. Dass Daniel Craigs Körper toll aussieht, interessiert mich zwar nicht, würde ich nun aber auch nicht als ausschlaggebendes Kriterium ansehen, den Film zu sehen. Das Bond-Girl auch nicht (wie gesagt: er kriegt’s nicht gebacken, es sei denn ich hab da was verpasst. Und die Bürokraft ist sowieso hübscher). Außerdem heißt das Bondgirl schlicht Camille. Natürlich kein Vergleich zu Honey Rider (Ursula Andress in James Bond jagt Dr. No), Pussy Galore (Honor Blackman in Goldfinger) oder Dr. Holly Goodhead (Lois Chiles in Moonraker). Dafür gibt es eine Remineszenz an Goldfinger. Statt in Gold wird James Bonds Bettgenossin in Öl eingelegt tot aufs Bett gelegt. Öl ist also das neue Gold, Wasser das neue Öl und James Bond nicht mehr ganz der Alte.

Nothing thicker than a knife’s blade separates melancholy from happiness

Das da ist Tilda Swinton. Deren Großartigkeit kürzlich in Michael Clayton wieder einmal zu besichtigen war. Hier aber spreche ich über Orlando. 15 Jahre alte Literaturverfilmung. Das Szenenbild zeigt Tilda Swinton als Lord Orlando, als Mann. Erst einige Jahrzehnte später wird er zur Frau, doch immer noch so jugendlich wie einst – so ist das, wenn man der Königin am Sterbebett den Wunsch erfüllt, doch ja bitte jung und schön und reizend zu bleiben. So beginnt der Film mit dem Tod, der ewiges Leben erschafft, schwingt sich zur Poesie, zur Liebe, natürlich. So geht es durch die Jahrhunderte und auch darüber hinaus, was Virginia Woolf ermessen konnte, nämlich bis in unsere Tage hinein. Wie in einem Strom zeigen sich in Orlando die gesellschaftlichen Veränderungen, die Geschlechterbilder und die Bilder, die sich Männer und Frauen von der Welt machen. Der Film schwebt so dahin und dennoch bekommt man den Eindruck, dass sich weder Orlando noch Orlanda so wirklich langweilen. Dafür ist das Leben und Lieben wohl einfach zu spannend, auch über vierhundert Jahre. Die Menschen verkleiden sich ja auch immer wieder – mit Perücken, Männer in Strümpfen und mit Ohrringen und Frauen in überbordenden Reifröcken. Das Beruhigende daran: Menschen verändern sich nicht. Sie bleiben die selben wunderbaren Geschöpfe, ob sie nun altern oder nicht, ob sie ihr Geschlecht umwandeln oder nicht. “Same person. No difference at all… just a different sex”, sagt Orlando. Es sind noch mehr schöne Sätze im Film. Ein anderer steht in der Überschrift. Gründe genug das Buch zu lesen. Und dabei an Tilda zu denken.

Musikhören leichtgemacht

Songerize

Hm, irgendnen Lied im Kopf, aber die passende Platte nicht zur Hand? Da hätte ich was: Songerize. Erklären muss man nicht viel. Nur, dass natürlich nicht jedes Lied vorrätig ist. Spezialwünsche? Hier nicht. Und selbst bei Clocks von Coldplay kam bei mir ne Live-Version, nicht die Studioaufnahme. Aber für den Anfang, die Seite ist noch recht neu, schon mal nicht schlecht.
Alternativen:
last.fm (direkt auf der Startseite können nun auch komplette Songs gesucht und angehört werden, sehr fein)

Gimado (größere Auswahl als bei Songerize, keine zufällige Auswahl der Stücke)

SeeqPod (durchsucht auch youtube etc. nach Musikvideos mit den entsprechenden Lieder – so findet man dann auch mal deutsche Interpreten, was bei den anderen (bis auf last.fm) zum Teil schwierig ist)

gefunden bei Mashable

Cat Power

Cat Power
Foto: tnarik

Durch Blueberry Nights bin ich auf Cat Power gestoßen, die Sängerin heißt Chan Marshall und hat nicht nur zwei Lieder zum Soundtrack beigesteuert, sondern auch mitgespielt (als Katya). Was aber noch toller und passender ist, dass ihr neues Album gerade erschienen ist. Manchmal kraftvoll, fast alles gecovert (nur merkt man das nicht) und melancholisch, aber es ist ja noch Winter, da kann man das noch durchgehen lassen. Also: anhören. Oder mal den Film gucken. Oder es lassen. Mir egal, jetzt wo ich Jukebox durchgehört habe. Und wer mal schnuppern möchte, den Titelsong “The Greatest” zu Blueberry Nights kann man hier runterladen. Hach!

Die Vorhörung:

My Blueberry Nights

My Blueberry Nights

Ich muss an dieser Stelle zugeben, das mir der Name Wong Kar Wei bis vor Kurzem kein Begriff war. Zugleich kann ich nur jedem raten, dem es ähnlich geht, diese Bildungslücke zu schließen. Am Besten funktioniert das im Kino, in dem der aktuelle Film des Regisseurs gerade läuft. My Blueberry Nights hat nämlich auch den Vorteil, dass nahezu jeder Schauspieler bekannt ist. Auch den Menschen, die Wong Kar Wei nicht kennen. Norah Jones spielt die Hauptrolle. Jude Law ist mit dabei und die nicht minder wunderbare Natalie Portman, die schwermütige Rachel Weisz und der ebenso gefühlsgelagerte David Strathairn. Und wem das alles noch nicht reicht, diesen Film anzuschauen, dem sei gesagt: Gefühl, viel Gefühl und Ruhe, grenzenlose Ruhe und dann das Wissen um die richtigen, die wichtigen Momente im Leben. Und schließlich die Gewissheit, dass man manchmal lange Wege gehen muss, um dahin zurückzufinden, wo alles anfing. Weil man nur so ein gelassenerer, ein gereifterer Mensch werden kann, der weiß, dass das Leben nicht immer geradlinig verläuft, um schön zu werden. Also nochmal: Wong Kar Wei. Blueberry Nights. Anschauen.

Außerdem gelobe ich hiermit, die mir ans Herz gelegten Filme “In the mood for love” und “Chunking Express” nachzuholen. Dann kann nichts mehr schiefgehen.

Foto: Prokino Filmverleih