die welt

Sparsam sein

Die Tageszeitung Die Welt freut sich über die neue S-Klasse von Mercedes. Die habe sich nämlich den Titel “sparsamste Luxuslimousine mit Benzinmotor” gesichert. Wer diesen Spitzentitel vergibt? Achso, naja, Mercedes selbst. Der Hybridmotor verbrauche nämlich nur 7,9 Liter und stoße lediglich 186 Gramm Kohlendioxid aus. Dass die Wörter “nur” und “lediglich” ein ökologischer Hohn sind, muss man nicht weiter erklären. Klar: ein 3,5-Liter-V6-Benzinmotor muss sein. Unter 250 PS geht gar nichts. Und dass solche Verbrauchswerte im Alltag kaum zu erreichen sind, wen kümmert’s? Hauptsache man hat die “sparsamste Luxuslimousine mit Benzinmotor” im Angebot, damit sich die sparsamsten Millionäre der Welt durch ebendiese kutschieren lassen können, solange es noch Öl gibt. Das alles erinnert ein wenig an den Flugzeugbauer Airbus, der freudestrahlend vom Dreiliterflugzeug faselte, und den A380 zum sparsamsten Großflugzeug verniedlichte. Wobei drei Liter nur erreicht werden, wenn man das auf die Zahl der Passagiere umrechnet und diese in engen Economyreihen untergebracht sind. Das wäre doch auch mal eine Idee für die Vermarktung von Luxuslimousinen: schließlich passen in die S-Klasse locker vier Personen rein. Der Verbrauch pro Passagier sinkt auf “weit” unter zwei Liter. Und der Straßenkreuzer steigt zur sparsamsten Limousine (mit Benzinmotor) aller Zeiten auf. Auf diese Pressemitteilung hat die Welt-Redaktion gewartet.

War ja klar …

… dass nun, nachdem sich Charlotte Roches Feuchtgebiete über vierhunderttausendmal verkauft haben, die ersten feuilletonistisch angehauchten Trendartikel erscheinen, die den ganzen Kladderadatsch zum hippen Zeitgeist deklarieren und sich selbst nicht zu schade sind, bereits millionenfach verbreitete Clichés zu einem langen Erguss zu vermengen, der selbstredend mit netten Bilderstrecken garniert werden darf, schließlich sind wir alle so locker heutzutage und die Frauen willig. Warum man dann aber folgendes Foto mit dem Begriff Masturbation umschreiben muss, das erschließt sich wahrscheinlich nur den Männern beim Axel-Springer-Verlag (vielleicht kann es auch Herr Niggemeier erklären, der hat mit seiner Symbolbild-Sammlung ja schließlich Erfahrung, wer weiß):

Quelle: Torsten Thissen, Frauen entdecken die Lust am Ordinären, Welt Online, 14. April 2008

Kommentarmüllendlager

Seit einigen Monaten schaue ich öfter als sonst bei Welt Online rein. Ich weiß auch nicht, warum. Aber abgesehen von komischen Bildergalerien mit vielen nackten Frauen (ist im Springer-Konzern wohl irgendwie angesagt), demgegenüber sehr konservativen Kommentaren, die nicht selten den prüden Geist der 50er-Jahre atmen (nochmal: Springer), gibt es dann doch hin und wieder sehr tolle Artikel, man möchte fast sagen: Perlen, denn finden muss man sie erstmal, aber das ist bei Spiegel-Online ja ähnlich. Die Möglichkeit unter jeden Artikel Kommentare setzen zu können unterscheidet Spiegel und Welt-Online dann doch erheblich voneinander. Nachdem ich mich nun schon einige Male durch die Statements einiger Leser geklickt habe, bleibt nur zu bemerken: weg mit der Kommentarfunktion! Zwei Gründe: erstens steht dort zu 90 Prozent nur Schund, teilweise sogar xenophober, rechter Schund, Beleidigungen, Unzutreffendes, Verschwörungstheorien, antisemitisches. Zweitens: macht man SpiegelOnline per Leserbrief auf einen Fehler aufmerksam, ist der meist nach kaum einer Stunde korrigiert und eine Dankesmail liegt im E-Mail-Fach. Bei der Welt verkümmern Hinweise in den endlosen Stollen, die man nicht anders als Kommentarmüllendlager nennen kann. Beispiele? Bitte: am 24. März schreibt Thomas Delekat ein Interview mit dem hessischen Landtagsabgeordneten Tarek Al-Wazir nieder, in dem der Wissenschaftsminister schlicht Korz geschrieben wird, nicht Corts. Trotz Hinweis ist dies bis heute nicht geändert, was ganz einfach daran liegt, das kaum jemand bei der Welt die Kommentare liest, die Autoren nicht, die Online-Redakteure nicht. Gelöscht wird zwar ab und an, aber nur das Gröbste und nur dort, wo es unvermeidlich scheint, dass üble Kommentare auflaufen. Und dass sich ein Journalist einmal dazu herabließe in die Diskussion mit einzusteigen ist ebenfalls äußerst selten. Das Fehler nicht korrigiert werden, ist dabei dann irgendwie auch nachrangig, immer noch lassen sich unter dem Artikel Meinungen wie diese lesen:

Tarek-Al-Wazir..”Chef der hessichen Gruenen”..das sagt alles. Willkommen zur Weimarer Republik..aber damals waren das wenigtstens Deutsche. Wie doof, ein Volk. Armes DL!

Man kann es natürlich auch so sehen, wie der Kommentator Wolle unter einem Artikel über die NPD:

bei der nächsten Wahl wird sich zeigen wer den “etablierten Parteien ” noch vertraut. Die Menschen haben die Nase voll von dem Taktieren und den Lügen dieser ” demokratischen ” Parteien. Nur deshab soll die NPD verboten werden, um einen Konkurenten auszuschalten. Man kann die Wahrheit in diesem Land nicht mehr publizieren. Alle Medien werden von Linken oder extrem Linken beherrscht. Und hier erfolgt auch die Zensur von Lesermeinungen. Eine Ausnahme bildet ” Die Welt “, deshalb großes Lob.

In diesem Sinne: Liebe Welt, vielen Dank für die Wahrheit.