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Lost and Sound

lost-and-soundDies ist eigentlich eine Reportage, eine sehr lange, gebunden und herausgegeben von Suhrkamp und vielleicht war es ja dieses Büchlein von Tobias Rapp, dass die Verlagsleitung zuversichtlicher machte, den Umzug nach Berlin anzugehen. Es passiert dort ja so unheimlich viel. Lost and Sound ist eine Hommage an Berlin, an die Clubszene, an die elektronische Musik. Der Autor nimmt sich Zeit. Er beobachtet. Hört zu. Schreibt auf. Es geht ums Berghain und die dortige Panoramabar, um das Watergate, es geht um die Generation Easyjet, die zu porträtieren schon lange fällig war, vor allem, weil sie ein Phänomen des vergangenen Jahrzehnts war, wenn die Billigflieger endlich am steigenden Ölpreis scheitern (was, so man den Medienberichten aus dem vergangenen Jahr glauben mag, schon längst hätte passieren müssen).

Ein Zeitdokument also, dieses Buch. Es beginnt so: “Ein neues Berlin entsteht, und keiner kriegt es mit. Fast keiner natürlich, irgendjemand muss es ja bauen”, heißt es im Vorwort, von dem man sich fragt, ob es das braucht. Muss man alles erklären? Warum nun dieses Buch und überhaupt? Es ist ja schon gekauft für 8,50 Euro, gedruckt und verlegt ohnehin. Dann lieber doch gleich weiter zum echten Anfang, zum Wochenbeginn am Mittwoch:

Es ist kurz nach Mitternacht, und falls die Stadt schon schlafen sollte, macht sie das woanders. Auf der Stahltrasse, die zur Oberbaumbrücke führt, rumpelt die letzte U-Bahn in Richtung Friedrichshain. Wir sind am Schlesischen Tor in Berlin-Kreuzberg. Lange ist es noch nicht her, da sagten sich hier Fuchs und Hase gute Nacht (…) Auch noch Ende der Neunziger, als das Clubleben in Mitte spielte und Techno over war. Kleinere Gruppen von Menschen schieben sich durch die Falckenstraße in Richtung Spreeufer. Zwei Engländer fragen nach dem Weg, sie kommen etwas ratlos aus einer Hofeinfahrt. Das Watergate? DIe Tür da vorne, die Treppe hoch. Es ist Mittwoch, das Wochenende ist noch zwei Arbeitstage weg, das Kribbeln ist schon da.

So schreibt Tobias Rapp und dieser Stil hat etwas sehr schönes, nämlich eine Haltung. Und keine Position de Beobachtenden, sondern die des Begleiters durch eine, zwei, viele Berliner Nächte. Richtig interessant wird’s, wenn der Fokus auf dem Easyjetset liegt, wenn klar wird, dass die Subkultur nicht nur lokale Verwurzelung hat, sondern durch das Internet Menschen in aller Welt Klarheit über das Gefühl bestimmter Orte bekommen. Die Clubszene verknüpft sich, vernetzt sich, schlägt Wellen wie ein Tsunami, nämlich welche, die man auf dem offenen Meer kaum wahrnimmt und dann stehen plötzlich hunderte Menschen aus aller Herren Länder vorm Berghain oder dem Watergate.

Das kommt so auch in Städten wie Frankfurt vor, aber es ist weniger geworden mit den Jahren, selbst wenn der Techno hier seinen Ursprung haben mag (und Ricardo Villalobos gewissermaßen ein Darmstädter Bub ist). Die wahren Metropolen bleiben sinnstiftend und, so könnte man annehmen, sie bleiben es auch, wenn der Jetset-Hype vorbei ist. Vielleicht wird die Sehnsucht nach Orten sogar größer, wenn es nicht mehr so leicht ist, fast geistesabwesend zu ihnen zu gelangen. Diese ganze Geschichte und die ganzen Geschichten, die dazugehören, also Gespräche mit Clubmachern und DJs, mit Gästen und Zugereisten und Türstehern und den Leuten auf der Feier nach der Feier, hat Rapp aufgeschrieben. Zum Schluss steht noch ein Gespräch mit einer 39-jährigen Raverin und ihrer 17-jährigen Spießertochter, ein bisschen dies und das und 20 Plattenkritiken, von denen man jetzt auch nicht so genau weiß, warum sie da nun nochmal stehen müssen, vielleicht damit nochmal fast 60 Seiten geschunden werden können, oder man glaubt nun wirklich noch nicht alles erzählt zu haben. Aber es ist eigentlich unnötig. Das Buch endet also auf Seite 206 mit den Sätzen:

Der Montag ist also gewissermaßen monothemaatisch, es gibt wenig zu berichten. Wer am Montagvormittag in ein Ketaminloch fällt, wer im Hinterzimmer irgendeines Ladens vor einem zugeschneiten Glastisch sitzt und sich mit geschlossenen Augen von einer ihm unbekannten Frau die Haare schneiden lässt, wer redet und redet und redet und redet, Leuten, von denen er nur den Vornamen kennt, weil er sie gerade erst kennengelernt hat, die intimsten Dinge erzählt, wer ziemlich wahllos alles in sich hineinwirft, was eben noch an Drogen da ist, der hat tatsächlich keine andere Agenda mehr. Das ist der Montag. Am Dienstag ist dann endgültig niemand mehr unterwegs.

Und dann ist auch schon wieder Mittwoch.

Der Himmel über Berlin


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Na jroßartich!

Ab morgen wird der ganze Berliner Nahverkehr für zehn Tage bestreikt. Und wann fahr ich nach Berlin? Natürlich morgen, um mir die Performance der Stadt Frankfurt auf der ITB anzuschauen. Ick freu mir trotzdem und werde hier und drüben auf dem Pflasterstrand berichten.
Ciao und bis denne!