1968

68 und die Medien: Was kam zuerst?

Torsten Sülzer schreibt in der Kölnischen Rundschau über das Medienphänomen 68. Einige Wissenschaftler werden zitiert, Kathrin Fahlenbach etwa: “Anfangs setzten die 68er auf alternative Medien: Flugblätter, eigene Zeitungen. Dann bemerkten sie erstaunt, wie sehr die Medien auf ihre Form der öffentlichen Inszenierung von Protest, auf diese symbolischen Protestformen reagiert haben – und stellten sich darauf ein.” Die 68er also nicht mehr als ein bloßes Medienphänomen, gehypt bis zur Selbstüberschätzung? Mag sein. Doch wichtiger noch als mediale Lappalien wie Puddingattentate und Kommune-Fotos sind die Anlässe zur Revolte. Im Fernsehen liefen bewegte Bilder von den Kriegen dieser Welt, sie rückten die Welt zusammen. Erst daraus konnte der Protest erwachsen. Und die alternativen Zeitungen, sie entstanden teilweise auch erst in den 70er- und 80er-Jahren – gerade als Reaktion auf die Massenkultur und als Zeichen fortschreitender Individualisierung. Natürlich gab es keine Revolution, es gab nur Selbstheilungskräfte des Systems zu beobachten.

Foto: James K. F. Dung, SFC

Erinnerungen an einen Tumult

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Ich lese gerade im Buch “1968 – eine Enzyklopädie” (erschienen bei edition suhrkamp) – keine schlechte Lektüre, viele Texte, Sartre, Cohn-Bendit, aber auch der hessische Landbote und Walter Benjamin und Rosa Luxemburg und die Thesen über Feuerbach. Und eben auch Hans Magnus Enzensberger dessen Erinnerungen an einen Tumult folgendermaße beginnen:

Das Gedächtnis, ein Sieb. 1968, eine Jahreszahl, in der sich das Imaginäre eingenistet hat. Ein Gewimmel von Reminiszenzen, Allegorien, Selbsttäuschungen, Verallgemeinerungen und Projektionen hat sich an die Stelle dessen gesetzt, was in diesem atemlosen Jahr passiert ist. Die Erfahrungen liegen begraben unter dem Misthaufen der Medien, des “Archivmaterials”, der Podiumsdiskussionen, der veteranenhaften Stilisierung einer Wirklichkeit, die unter der Hand unvorstellbar geworden ist.

In diesem Sinn: freuen wir uns auf all die Veröffentlichungen, Podiumsdiskussionen und Stilisierungen, die uns im Jahr 40 nach der “Revolution” noch erwarten.

Foto: jylcat