Milchboykott

Ich habe Bilder, in denen Menschen Lebensmittel wegschütten, noch nie so richtig verstanden. Ich erinnere mich an den Vorabend zum Irakkrieg, als einige aufgebrachte US-Amerikaner im Fernsehen zu beobachten waren, wie sie französischen Wein in die Gosse kippten. Sozusagen als Protest. Wobei es den Franzosen ja relativ egal sein durfte, ob die Amis den Wein nun trinken oder wegschütten – bezahlt war er ja.

Im Moment findet eine natürlich überhaupt nicht vergleichbare Situation statt: Milchbauern kippen Milch weg, weil sie sich am Milchboykott beteiligen. Das sieht natürlich sehr eindrucksvoll aus und wird vielleicht auch die Milchpreise für die Zeit des Boykotts hochtreiben, aber andererseits: bekommt Milch nicht den Anschein, ein billiges, ein im Überfluss vorhandenes und somit zurecht derart günstiges Lebensmittel zu sein, wenn man es in den Gulli schüttet wie Wasser? Trotzdem sieht man Menschen, die Lebensmittel aus Protest wegschütten viel zu selten. Seit dem Kriegsbeginn im Irak sind schließlich auch schon wieder vier Jahre ins Land gegangen. Die Ausschüttkultur liegt weltweit am Boden.