Nazinetze

Hurra, endlich geht es den Nazis an den Kragen: der Holtzbrinck-Verlag hat sein Portal Netz-gegen-Nazis.de an den Start gebracht. Dort lässt sich nachlesen, was zu tun ist, wenn Kameradschaften die Runde machen, wenn rechte Sprüche in der S-Bahn geklopft werden oder am Stammtisch und was gegen rechte Gewalt zu tun ist. Die Zeit nennt ihre neue Webseite “Ratgeberportal gegen Rechtsextremismus” und weil das alles so gut und so richtig ist, hat man auch gleich den Olympischen Sportbund, den Feuerwehrverband, den DFB, die Fußball-Liga, das ZDF und VZ-Gruppe (schülerVZ, studiVZ und meinVZ) mit ins Boot geholt, um gegen rechte Strömungen anzupaddeln. Was will man dagegen schon sagen? Nun, zitieren wir Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo aus seinem Editorial zum Portalstart:

In Deutschland gibt es zum Glück schon viele gute Initiativen gegen Rechtsextremismus

Genau. Zum Beispiel seit fünf Jahren die Seite Mut gegen rechte Gewalt, auf der aber dummerweise das Logo des stern prangt. Die Mitarbeiter letztgenannter finden’s schön, dass das Thema endlich die Mitte der Gesellschaft erreicht habe und verweisen gleich auf ein Dutzend anderer Seiten, die im Internet ähnliche Interessen verfolgen. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung will demnächst Gas geben, eine prägnante Adresse hat sich der Trägerverein “Gegen Vergessen fuer Demokratie e.V.” schon mal gesichert: www.online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de. Über zu wenig Information dürfen wir uns also nun erst recht nicht beschweren. Dass aber ein Portal nach dem anderen eröffnet werden muss, anstatt mit den anderen zu kooperieren und so eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen, hat vielleicht auch einen ganz profanen Grund: öffentliche Aufmerksamkeit. Und die teilt man nicht gerne mit anderen. Zuviele Logos auf einem Fleck sehen ja auch nie schön aus. Wobei das Logo von netz-gegen-nazis.de auch allein nicht so wirklich gelungen wirkt. Aber antifaschistisch ist es ja schon irgendwie:

logovergleich