Mischmasch

die gute woche

Ich habe wieder mehr Papier in der Hand, Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und so weiter und das hinterlässt dann doch ein gutes Gefühl. Besser als dieses Onlinegedöns, mit dem man meist nur Zeit verschleudert. Montag im Spiegel ein Interview mit Herrn Döpfner, dessen Onlineversion der Spiegel noch eifrig zurückhält, nur die englische Variante darf schon verlinkt werden, daher kurz zitiert:

SPIEGEL: Speaking of headlines, when Charlotte Roche (author of the German bestselling novel “Wetlands”) lost half her family in a car accident, she was badgered by Bild reporters. At some point Roche ran into you on a plane and told you to your face that you are “a bad person.” How did you perceive that?
Döpfner: As free expression. I thought about it.

Großartig. Das Interview mit Herrn Mosley in der gleichen Ausgabe über seine Sadomaso-Spielchen überspringe ich jetzt mal, obwohl ich es aus Voyeurismus- und Skandalgründen natürlich auch gleich gelesen habe. Aber im Büro ging’s im Vorfeld der Veröffentlichung unserer SM-Titelgeschichte ja um fast nichts anderes mehr. Ich übertreibe, natürlich.

Dennoch weiter.

Weiter zum Interview mit Minu Barati in der Welt am Sonntag. Schon der Vorspann ist großartig und auf SZ-Wochenende-Niveau, weil da steht, dass sie beim Sprechen ihre Wimpern “pfauenartig” senke und außerdem: “Nun sitzt die schöne Halbiranerin also da, das schwarze Haar verteilt sich wie vergossene Tinte über ihre Schultern.” Dass sich das eine Journalistin namens Dagmar von Taube ausgedacht hat, macht es nur besser. Und Frau Barati, die ich bisher für ein doofes Altpolitikeranhängsel gehalten habe, sagt ganz coole Dinge (vielleicht sollte man Menschen erstmal die Möglichkeit geben, sich zu erklären, bevor man sie verschubladet), also:

Ich verstehe die weibliche Emanzipationsbewegung und ihre Symbole und achte alle Frauen, die für Gleichberechtigung gekämpft haben. Phänotypisch muss man da keine Akzente mehr setzen, und ich finde, dass Latzhosen echt scheiße aussehen. Ich mag gern schöne und besondere Dinge – und mein Freund Klaus Unrath macht die wunderschönsten Kleider für mich. Anziehen muss man sich eh, dann kann man sich auch ein bisschen Mühe geben, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Und genauso ehrlich geht’s auch weiter. Genau wie wir nun zum letzten Punkt der Interviewform-Verherrlichungsstrecke auf neosushi. Kennen Sie eigentlich die jungle world, die linke Wochenzeitung? Ich hatte die zuletzt glaube ich mit 20 in der Hand, aber für ein wenig Idealismus und eine gesunde Portion Antifaschismus ist es ja nie zu spät, right? Jedenfalls war die Überraschung groß, als ich dort ein Gespräch mit Harald Lesch fand, der in der Anlese als, hach, “Jürgen Klopp der Astrophysik” angekündigt wurde. Ich hoffe, es sprengt nicht das deutsche Zitatrecht, wenn ich hier mal etwas ausführlicher werde:

Wenn aber doch ein Außerirdischer landen würde, was würden Sie ihn zuerst fragen?

Welche Musik hörst du?

Welche Musik hören Sie?

Im Moment die Traveling Wilburys. Das würde ich ihm vorspielen. Ich würde einen Außerirdischen nicht nach den Naturgesetzen fragen, das sind die gleichen wie bei uns, davon gehe ich als Astrophysiker aus. Aber ich würde ihn fragen, welche Musik er macht, welche Märchen er seinen Kindern erzählt, welche Bilder er malt und an welche Götter er glaubt.

Und das alles beim Bier?

Da wäre ich vorsichtig. Denn diese Leute könnten möglicherweise sehr schlechte Laune haben. Die fliegen ja oft in so rotierenden Scheiben, deswegen sind sie auch grün, weil denen bestimmt ganz schön übel ist.

Und? Toll, oder? Soviel zu den Zeitungen und Zeitschriften. Und über die Bücher, die mir Zerstreuung verschaffen, dann demnächst mehr. Ein letzter Gedanke noch: dieser Text ist auch ein Beitrag für weniger Gejammer und mehr Großartigfinden in Journalistenblogs. Wie sagt Döpfner doch so schön: “What bothers me is the whining among members of our profession.”