Der Mohr von Berlin-Mitte
15 Jun 2008

Das aktuelle Dummy-Magazin über die Schweiz ist nur wenige Tage alt, da wird schon über das nächste geschimpft. In drei Monaten soll’s erscheinen, Thema: Neger. So zumindest die Ankündigung im Heft. Klar, das gab Proteste. Die waren, Überraschung, einkalkuliert, wie es im Dummy-Blog heißt. Darf ein Magazin Neger heißen? Klar, dürfen darf erstmal alles. Und das Argument Roberto Blanco würde damit nur aufgrund seiner Hautfarbe in den gleichen Topf wie der Sarotti-Mohr geschmissen, träfe ja wohl auch auf andere Hefte aus dem Hause Dummy zu: Frauen, Juden, Türken – auch diese Wörter standen schon mal auf dem Cover des Berlin-Mitte-Mags und waren damit zugleich Sinnbild für das, was die Porträtierten verband: ihr Geschlecht, ihre Religion, ihre Nationalität. Beim Thema Neger ist jedoch noch mehr drin: analog zur taz, die sich scharfe Vorwürfe wegen ihres Titels “Onkel Baracks Hütte” anhören musste, wäre es doch angesichts des Erscheinens im Herbst recht vorteilhaft ein Bild von Barack Obama aufs Titelbild zu heben und Neger drunter zu schreiben. Wie, das geht nicht? Im Ernst: das ganze muss einfach eine Schnapsidee gewesen sein. Ja, hihi, lustig, macht mal, Neger, haha. Dabei ist nicht mal das Wort doof und irgendwie halt rassistisch, die Idee an sich ist es. Warum dann nicht ein Heft über Schlitzaugen? Wäre doch auch total provokant. Und am Besten schon mal im Mohren-Heft ankündigen, damit man im Gespräch bleibt. So funktioniert Werbung.
Bild: Othello et Desdémone von Alexandre Marie Colin






