De:Bug

debug magazin - januar 2009Nach Jahren wieder mal De:Bug gelesen, das “Magazin für elektronische Lebensaspekte”. Sich sofort zurückversetzt gefühlt in eine Zeit in der Techno irgendwie cool war und seitenweise DJ-Kopfhörertests-Lesen zum guten Ton gehörte. Gehörte es aber nie. Die Zeitschrift setzt viel bei ihren Lesern voraus. Technisches Fachwissen, Toleranz gegenüber Rechtschreibfehlern und einem Überangebot an recht unnützen englischen Wörtern (“Digital-Only-Labels” etc.). Die Texte sind umständlich geschrieben. Der Jahresrückblick unter Einnahme härterer Drogen verfasst (vermutlich LSD o.ä.). Das Titelstück über den Niedergang des Vinyls im Bereich der Clubkultur: umfassend, streckenweise redundant, doch insgesamt ziemlich erhellend, vielleicht besonders wenn man sich lange nicht mehr mit dem Thema befasst hat. Die Jahrescharts: ziemlich mutig, die Leser für ihre Wahlen der Produkte, Labels, DJs und tausenderlei anderer Dinge je fertig zu machen oder zu loben wie Hundewelpen. Seltsam zu lesen: ein Autor behauptet, sein Leben befinde sich auf einer Festplatte von Western Digital. Auch sonst: alles so fremd hier. Die Plattenkritiken: wie damals in der Groove. Immer noch unbegreiflich wie man über die zwanzigmillionste Minimal-House-Scheibe so viele Wörter verlieren kann. Meine Vermutung ist ja: die drucken das nur, damit sie weiterhin Promos geschickt bekommen. Wird aber wohl auch immer schwieriger (siehe: Niedergang des Vinyls). De:Bug-Lesen, das ist wie eine Reise ins Paralleluniversum, das nur bedingt Verknüpfungen zur Realität aufweist. Also eigentlich wie RTL-2-Gucken nur eben auf der anderen Seite der Intellektualitätsskala.