Das Beste kommt zum Schluss
3 Mrz 2009
Neuen Magazinen, noch dazu solchen, hinter denen kein Riesenverlag steht und die deswegen auch nicht aussehen wie der zweimillionste Aufguss von Zeit Campus oder Brigitte, soll man nicht nur eine Chance geben. Deswegen ist die zweite Ausgabe von Blank auch schon so gut wie gekauft, selbst wenn die erste einen, wie soll ich sagen, etwas schalen Geschmack zurückließ. Die Fakten: Blank hieß mal Face, doch erst war der Herausgeber und dann der Chefredakteur weg (oder umgekehrt, man weiß es nicht), dann machte sich die Redaktion selbstständig und nun seit einigen Tagen für vier Euro am Bahnhofskiosk: Blank, was man wohl deutsch ausspricht, so wie Nilz Bokelberg in diesem Video. Unterzeile: Face Your Magazine, wahrscheinlich weil die Redaktion einige Altleser mitrüberretten wollte. Auflage: 10.000. Kann das gehen?
Bleiben wir kurz bei Nilz Bokelberg. Erstmal sind mir Menschen suspekt, die den gleichen Vornamen wie ich tragen, diesen aber mit Z am Ende schreiben. Klingt ungerecht von mir und ist es auch, aber der Nickname Nilzenburger, der ist so … ach, lieber schnell weiter. Nilz oder Nilzenburger oder Bokelberg hat jedenfalls eine zweiseitige Kolumne in Blank, die eindeutig zu lang ist. Eine Seite hätte gereicht. Und der Fond in dem die Buchstaben schwimmen ist augenkrebsgelb. Und das Foto ist grotte. Soll alles wohl trashig sein, wirkt aber mies. Und passt auch so gar nicht zum Restmagazinlayout, das wiederum sehr schön aufgeräumt ist. Vielleicht gewollt. Und damit schon wieder zu gewollt. Mein Wunsch an Ausgabe 2: weniger Nilz, weniger Augenkrebsgelb.
Weiter im Text, nochmal auf Anfang: Jesus auf dem Titel, na, wenn das nicht hilft, dann weiß ich auch nicht. Die Titelzeilen kapiere ich aber nicht. Geht wohl um zwei Themenblöcke, was aber nicht klar wird. Schön dagegen: Julia Zange. Hurra, da freu ich mich und blättere gleich hin und tatsächlich hübsches Interview, aus dem ich unter anderem gelernt habe, dass sie ein Hosenkind sein musste, also als Kind. Außerdem sagt sie den tollen Schlußsatz: “Schaufensterdekorateurin wollte ich auch immer werden.” Am Freitag ist sie in Frankfurt und ich bedaure, es wohl nicht dahin zu schaffen. Nächstes Mal dann halt.
Eine Seite weiter dann was richtig Tolles: ein abfotografiertes Bücherregal, diesmal vom Chefredakteur, wie es heißt. Da kann man sich wirklich drin vertiefen. Ist auch echt interessant. Das ganze linke Programme: ein paar Schlingensief-VHS-Kassetten, obskure DVDs, Marx, Thor Kunkel, Hitler, Hitler, Hitler, Updike, Mein Kampf, Bibel, Wörterbücher, ach und dann ist mir eingefallen, welches Buch ich mir schon lange kaufen wollte: “100 Fragen von Moritz von Uslar”. Steht auch Regal des Chefs. Und die Tatsache, das unten in der Ecke Juli Zehs “Adler und Engel” zu sehen ist, ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier nichts beschönigt wurde.
Dann kommt der Typ, der viele Freunde hat, die Bücher langweilig und einschläfernd finden, und deswegen erklärt wie langweilige und einschläfernde Bücher wie “Goodbye Lemon” von Adam Davies vielleicht doch nicht so einschläfernd und langweilig klingen. In einem Satz: der Artikel ist langweilig und einschläfernd.
Dann Mode. Kommt man wohl auch 2009 als Magazinmacher noch nicht drumherum.
Dann Musikgruppen, von denen ich bislang nicht hörte (was nichts zu bedeuten hat, weil ich ja nicht in Berlin wohne).
Dann fällt mir auf, dass die Anlesen zu den Artikel ultralang sind. Ich mag keine langen Anlesen. Wer seinen Artikel nicht in zwei Sätzen zu erklären vermag, der soll zu Spex gehen. Außerdem fällt mir auf, dass die meisten Bands einen wohlfeilen Bogen um Frankfurt und/oder Umgebung machen. Was ist los?
Dann bin ich auch schon durch mit Blättern, den Rest schau ich mir dann mal an einem Sonntag an. Neben dem Impressum steht, was im April in Blank steht: die Kolumne von Nilz Bokelberg (verdammt!), eine Klatschrubrik (hoffentlich anders als jede andere), noch mehr Weiblichkeit im Wahlkampf. Noch mehr? Ach, richtig: nach dem Heft kommt das Heft zwei: nur Texte, untereinanderweggedruckt auf lachsrosa Grund (heißt es eigentlich lachsrosa oder lachsrosanen Grund?), darunter auch ein schöner Kommentar von Teresa Bücker über den weiblichen Wahlkampf, den es nicht geben wird (, wenn ich sie richtig verstanden habe). Selbst wenn ich nicht ihrer Meinung bin oder anders: gerade weil ich nicht ihrer Meinung bin: Warum zum Teufel steht das hinten und nicht schön aufgemacht ganz vorne? Ist das hier die Zwischenstufe zur Ablage P? Warum ist dann die Kolumne von N… schon gut ich hör ja schon auf… warum, also, ist da ein sehr interessantes Gespräch mit Malte Spitz von den Grünen zu lesen, dass aber ebenfalls im eigentlichen Heft besser aufgehoben wäre? Ein wenig erinnert Heft 2 an die Artikelfortsetzungen, die US-amerikanische Magazine so gerne hinten zwischen die Anzeigenblöcke setzen. Nur dass hier eben ganze Artikel stehen. Das Beste kommt zum Schluss? Nein, so geht das nicht, liebes Blankfaceyourmagazine. You should fix that!
Aber dennoch: neuen Magazinen soll man nicht nur eine Chance geben. Ich freu mich auf April (ehrlich).







Mrz 10, 2009 @ 11:18:18
Hallo Nils und danke für die umfassende Kritik, zudem ein Kompliment an dein Blog. Manches findet man ja nur durch die Verlinkung zur eigenen Seite. Wir nehmen deine Anregungen gerne mit auf. Mein Wahlkampftext ist nach hinten “gerutscht”, weil er kurz vor Druckschluss noch entstanden ist, ansonsten ist es vielleicht auch eine Layoutvorliebe. Ich mag lange Texte in diesem Satz sehr gerne.
Zwei inhaltliche Fragen hätte ich noch:
Wer macht deiner Meinung nach den weiblichen Wahlkampf und mit welchen Themen?
Warum muss man an Mode als Magazinmacher vorbeikommen?
Liebe Grüße
Teresa
Mrz 11, 2009 @ 00:49:02
Liebe Teresa,
dann auch danke! Sehr sogar. Jetzt muss ich wohl abonnieren… Zum weiblichen Wahlkampf: ich finde ja, und Du darfst mich ruhig dafür verbal entmannen, dass Frau von der Leyen mehr für Familien und die gleichberechtigte Gründung solcher getan hat als das rotgrüne Patriarchat (von Kohl und seinem Mädchen mal ganz zu schweigen). Die Idee des Elterngeldes finde ich gut, insb. dass beide Partner monetär in die Elternzeit gezwungen werden (im Endeffekt also auch der Mann mindestens zwei Monate zu Hause bleibt). Dass die Frau dies in einer Partei wie der CDU und dann noch auf Bundesebene durchboxen konnte: Respekt. Damit bringt die CDU die anderen Parteien in Bedrängnis.
An den Grünen mag ich die Quote, das sorgt für eine interessante Durchmischung (auch wenn es nur eine Übergangslösung sein kann). Und… hm, ich überlege mir grade, mal was Ausführlicheres dazu zu schreiben. Ist ein echt interessantes Thema (und schön, dass ich durch Deinen Kommentar dazu angeregt wurde, darüber nachzudenken).
Zur zweiten Frage: ist vollkommen subjektiv, aber ich sehe keinen Sinn in Modestrecken. Wenn ich Kleidung kaufen will, dann gehe ich in ein Geschäft und schaue, ob sie mir gefällt. Welche Kleidung irgendwelche Models tragen (müssen), ist mir egal. Besonders schlimm sind Modestrecken, in denen Kombinationen gezeigt werden, die deutlich im vierstelligen Bereich liegen. Das ist alles so wenig inspirierend.
Heißt nicht, dass ich Mode allgemein doof finde. Die Idee, “normale” Leute auf der Straße zu fotografieren, die einen inspirierenden Stil zur Schau tragen, hat da schon eher was. Kennst Du den Sartorialist:
http://thesartorialist.blogspot.com/
finde ich total großartig. Auch die Kommentare…
Viele Grüße,
Nils