War alles schon mal
5 Apr 2008
Es hat eine gewisse Ironie, wenn man darüber nachdenkt, ob alles schon mal war, alles schon mal gesagt, gemacht, getan, gedacht, geglaubt, gewusst, geschrieben wurde und man dann beim Blättern auf folgende, recht bedenkenswerte Sätze stößt:
Man braucht, um zu träumen, nicht mehr die Augen zu schließen, man muß lesen. Das wahre Bild ist Kenntnis. Es sind die bereits gesagten Worte, die überprüften Texte, die Massen an winzigen Informationen, Parzellen von Monumenten, Reproduktionen von Reproduktionen, der modernen Erfahrung die Mächte des Unmöglichen zutragen. Nur noch das ständige Raunen der Wiederholung kann uns überliefern, was nur ein einziges Mal stattgefunden hat. Das Imaginäre konstituiert sich nicht mehr im Gegensatz zum Realen, um es abzuleugnen oder um es zu kompensieren; es dehnt sich aus, im Spielraum des noch einmal Gesagten und der Kommentare; es entsteht und bildet sich heraus im Zwischenraum der Texte.
Michel Foucault, Schriften zur Literatur






