Wahrheit und Sprache
4 Dez 2008

Ich bin auf etwas Interessantes gestoßen, zufällig natürlich. Angefangen hatte alles mit einem Blog, der auf die Foodtimeline hinwies (welcher weiß ich leider nicht mehr). Auf der Zeitachse jedenfalls kann man recht gut erkennen, wann welche Nahrungsmittel und Rezepte zuerst auf dem Speiseplan standen. Käsekuchen zum Beispiel im 1. Jahrhundert. Na, und so weiter, ganz interessant eben. Da stehen natürlich auf French Fries drinnen und dann erinnerte ich mich, dass die doch mal in den U.S.A. in Freedom Fried umbenannt wurden. Im Repräsentantenhaus ist man bereits 2006 wieder davon abgekommen und serviert wieder French Fries, wobei sie wohl ursprünglich sowieso aus Belgien kommen, aber das nur nebenbei. Die Idee mit den Freedom Fries geht laut diesem BBC-Artikel wohl auf eine Maßnahme im Ersten Weltkrieg zurück. Damals wurden im kollektiven Anti-Deutschen-Wahn auch die Frankfurter in Hot Dogs umbenannt und Sauerkraut in liberty cabbage. In der Wikipedia kann man noch mehr Beispiele nachlesen. Etwa dass nach dem Eintritt Italiens in den Großen Krieg kein italienischer Salat mehr in Berlin serviert wurde (jedenfalls in den patriotischeren Restaurants). Und Großbritannien erst:
United Kingdom: During World War I, the German Shepherd was renamed the “Alsatian,” and German biscuits were renamed Empire biscuits due to strong anti-German sentiment. Perhaps most famously, in 1917 the name of the royal family was changed by George V to Windsor from the German surname Wettin and house name Saxe-Coburg and Gotha.
Das alles wirft ein besonderes Licht auf die Versuche, durch Sprache die Wirklichkeit zu verändern. Die Reinigung der Sprache von ausländischen Einflüssen, von Einflüssen, die zu bestimmten Zeiten nicht erwünscht waren, war und ist wohl ein beliebtes Mittel der Einflussnahme. Die Freedom Fries haben sich, anders als die Hot Dogs, nicht durchgesetzt. Ist ja auch ein langweiliges Wort. Hot Dogs ruft schließlich wahre Assoziationsketten hervor, auch wenn die nicht unbedingt positiv sein mögen. Freedom Fries – ich weiß nicht, da hätte man noch dran feilen sollen. Einfach nur Fries hätte es vielleicht auch getan. Oder das englische Chips?
Sprache umschreibt die Wirklichkeit eben immer nur. Manchmal schöner, manchmal weniger gut. Die Wahrheit jedenfalls lässt sich durch kein neues Wort kaschieren: dass es nämlich frittierte Kartoffeln sind. Wie sie nun möglichst griffig bezeichnet werden, ist dafür per se erst einmal egal. Hauptsache sie schmecken.






