Nothing thicker than a knife’s blade separates melancholy from happiness

Das da ist Tilda Swinton. Deren Großartigkeit kürzlich in Michael Clayton wieder einmal zu besichtigen war. Hier aber spreche ich über Orlando. 15 Jahre alte Literaturverfilmung. Das Szenenbild zeigt Tilda Swinton als Lord Orlando, als Mann. Erst einige Jahrzehnte später wird er zur Frau, doch immer noch so jugendlich wie einst – so ist das, wenn man der Königin am Sterbebett den Wunsch erfüllt, doch ja bitte jung und schön und reizend zu bleiben. So beginnt der Film mit dem Tod, der ewiges Leben erschafft, schwingt sich zur Poesie, zur Liebe, natürlich. So geht es durch die Jahrhunderte und auch darüber hinaus, was Virginia Woolf ermessen konnte, nämlich bis in unsere Tage hinein. Wie in einem Strom zeigen sich in Orlando die gesellschaftlichen Veränderungen, die Geschlechterbilder und die Bilder, die sich Männer und Frauen von der Welt machen. Der Film schwebt so dahin und dennoch bekommt man den Eindruck, dass sich weder Orlando noch Orlanda so wirklich langweilen. Dafür ist das Leben und Lieben wohl einfach zu spannend, auch über vierhundert Jahre. Die Menschen verkleiden sich ja auch immer wieder – mit Perücken, Männer in Strümpfen und mit Ohrringen und Frauen in überbordenden Reifröcken. Das Beruhigende daran: Menschen verändern sich nicht. Sie bleiben die selben wunderbaren Geschöpfe, ob sie nun altern oder nicht, ob sie ihr Geschlecht umwandeln oder nicht. “Same person. No difference at all… just a different sex”, sagt Orlando. Es sind noch mehr schöne Sätze im Film. Ein anderer steht in der Überschrift. Gründe genug das Buch zu lesen. Und dabei an Tilda zu denken.