Monocle, February 2008

Ausriss aus Monocle
flickr

Monocle issue 1012 Euro ist ein stolzer Preis für ein Magazin. Selbst für eines, das nur zehnmal im Jahr erscheint. “A briefing on global affairs, business, culture & design” heißt es im Untertitel von Monocle und das Gute daran ist: es stimmt. In der Februarausgabe, die ich am Bahnhofskiosk ergattert habe, steht soviel mir Unbekanntes drin, dass sich die Ausgabe schon wieder gelohnt hat. Auch unter Inspirationsgesichtspunkten ist Monocle ein wirklich wunderbares Magazin. Das Layout ist wunderbar, die Fotos haben eine durchgängige Bildsprache, das Papier ist nicht Hochglanz und trotzdem angenehm fest. Es gibt eine Modestrecke, was an sich schon mal langweilig wäre, aber weil der Zugverkehr das große Thema dieser Ausgabe ist, hat man ein männliches Model von Tokyo nach Hakata und ein weibliches von Köln nach Leipzig fahren lassen (siehe Bild oben). Und das Beste daran: die beiden hübschen Menschen tragen Klamotten, die wir Normalos auch in der Öffentlichkeit tragen würden.

Die Texte atmen den erfrischenden Geist anglo-amerikanischen Journalismus und besonders gelungen sind die Anlesetexte. Zum Beispiel dieser hier über ein Porträt der italienischen Journalistin Milena Gabanelli:

In a media world dominated by reality TV and celebrity chat shows posing as news, Milena Gabanelli’s ‘Report’ stands out. Since 1997, her investigations have tackled corruption in Italy head on, criticising politicians while other programmes cosy up.

Oder hier über die Idee der deutschen Bahn den Schlafwagen zu reanimieren:

flickr

Schöne Wendung: in einer sich beschleunigten Welt entdeckt ein Konzern die Langsamkeit. Natürlich ist das zugespitzt und auch im Text wird übertrieben, wenn es darum geht, einen Standpunkt besonders klar zu machen. Beispiel aus dem Deutsche-Bahn-Text:

While aerodynamic ICEs slice through Europe every day at 300 Wi-Fi-enabled km/h, City Night Line’s snub-nosed engines gently pull sleeping passengers through the night…

Soweit ich weiß, fährt der ICE derzeit nur zwischen Frankfurt und Köln und in Frankreich 300 und auch nur auf einem kleinen Streckenabschnitt gibt es drahtloses Internet – aber sei’s drum.

Und wie bereitet man ein an sich langweiliges Restaurant-Porträt bei Monocle auf? Man setzt eine Berühmtheit wie Ariana Huffington in den Laden, unterhält sich mit ihr, isst, fotografiert, zahlt die Zeche und erfreut den Leser mit einem Porträt, das durch den Magen geht:
Ariana Huffington in Monocle
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Am Ende der Ausgabe ist doch noch etwas Hochglanzpapier eingebunden – für eine Fotoreportage über den TransAsya Express von Istanbul nach Teheran. Und als Goodie noch ein paar Seiten Comic von Takanori Yasaka.

Man kann also nicht behaupten, dass man nichts bekommt für 12 Euro. Leider ist der Abo-Preis nur geringfügig geringer (umgerechnet etwa 10 Euro pro Ausgabe). Dafür ist die Anzeigendichte des Monocles wirklich sehr gering. Schaut mal rein, wenn ihr es Euch leisten könnt :)