Jugendpornographie

Das wird jetzt nicht einfach. Deswegen vorweg, ums deutlich zu sagen, auch wenn es sich von selbst versteht: Verbreiter von Kinderpornographie gehören verfolgt und ins Gefängnis gesteckt für sehr, sehr lange Zeit. Nun aber gilt von morgen an ein neugefasster Abschnitt des Strafgesetzbuchs in Kraft, der die Verbreitung und den Besitz von “jugendpornographischen Schriften” unter Strafe stellt. Jugendpornographisch sind laut dem Gesetz Schriften, “die sexuelle Handlungen von, an oder vor Personen von vierzehn bis achtzehn Jahren zum Gegenstand haben”. Das gleiche gilt für solche Schriften, die ein “tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergeben”. Zwei spannende Fragen fallen mir dazu ein. Die erste: was ist wirklichkeitsnah? Sie wird bei heise.de folgendermaßen beantwortet:

Als “wirklichkeitsnahes Geschehen” ist dabei die Darstellung eines Geschehens zu verstehen, das sich dem durchschnittlichen Betrachter dem äußeren Erscheinungsbild nach als ein tatsächliches darstellt. Darunter können also auch Darstellungen mit sogenannten “Scheinminderjährigen” fallen, also von Darstellern, die dem Alter nach volljährig sind, hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes aber als minderjährig eingestuft werden könnten.

Die zweite: was ist eine sexuelle Handlung? Zunächst mal, so habe ich nun gelernt, unterscheidet sich das Deutsch der Juristen erheblich von unserem Deutsch. Eine sexuelle Handlung kann, eng betrachtet, auch schon ein lasziver Blick einer unbekleideten Frau sein. Die Frage bleibt natürlich wo Laszivität anfängt und wo sie aufhört. Genauso bleibt die Frage, welche Darsteller als minderjährig eingestuft werden, obwohl sie volljährig sind. Wenn sie kleine Brüste haben? Zwischen den Beinen rasiert sind? Sicher sein können wir uns jedenfalls, dass dies die Gerichte in den kommenden Jahren schon herausdeuten werden und Licht in die offensichtliche Grauzone werfen. Solange gilt: wer sich davor schützen möchte, Jugendpornographie zu konsumieren, sollte auf Produkte zurückgreifen, die ältere Frauen und Männern bei sexuellen Handlungen porträtieren, sollte Modestrecken in Lifestyle-Magazinen nicht zu genau betrachten, manchen modernen Künstler schlicht ignorieren oder gleich insgesamt auf das Betrachten von Fotos jünger aussehender, nackter Menschen verzichten. Aber wie gesagt: das ist ein schwieriges Thema. Deswegen, auch weil ich’s selbst nicht so recht weiß, mal die Frage in die Runde: Ist der Verbot der Jugendpornographie ein Schritt in die richtige Richtung?