Juden und Humor

Okay, wahrscheinlich werde ich als Antisemit (oder Philosemit, je nachdem) gegeißelt, aber die Überschrift musste sein. Denn: der beste, weil lustigste Text, den ich seit langem in der Zeit gelesen habe, stammt von einem Juden, von Tuvia Tenenbom, der, so die Vita, Stücke geschrieben hat wie “The Last Virgin”, das im vergangenen Jahr unter anderem im Frankfurter English Theatre gegeben wurde. Er ist Gründer und Direktor des Jewish Theater of New York und schreibt in der Zeit davon, wie er mal mit George Bush nach Saudi-Arabien reiste. Schon die Anlese ist toll: “Als Jude kann ich nicht nach Saudi-Arabien reisen. Ich habe es trotzdem getan. Zusammen mit George W. Bush. Weil ich herausfinden wollte, was die Saudis eigentlich gegen uns haben.” Die Geschichten, Anekdoten, die Tenenbom zu erzählen hat, sind skurril, lustig, anrührend. Und er kann schreiben. So schreiben, dass ich über einen recht langen Text hin nie gelangweilt bin. Beispiel? Okay:

“Begleitet den amerikanischen Präsidenten”, stempelten die Saudis auf meinen Pass. Heißt das, ich muss auch mit Bush ausreisen? Ich weiß es nicht, und es ist mir egal, ich nehme ein Flugzeug und fliege nach Saudia. Ich, ein Mann, der im Hauptberuf künstlerischer Leiter des Jewish Theater of New York ist! Normalerweise würden die Saudis lieber einen Herzinfarkt erleiden, als mich in ihrem Land zu sehen. Aber heute müssen sie eine Ausnahme machen, und mit geht es fantastisch: Ein Mann, geboren in einem Land, das nicht existiert, erzogen in einer Religion, die nicht existiert, wandelt auf den Straßen von Saudia, und keiner stoppt dieses Ufo. Toll!

Den Rest in der gedruckten Zeit. Die den Kauf wegen dieses Artikels schon lohnt, denn online ist der Artikel (so jedenfalls das Ergebnis meiner Kurzrecherche) noch nicht zu sehen. Ach, könnte ich nur schreiben wie Tuvia Tenenbom …