Eröffnungsrede im Kunstverein Familie Montez

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen, Tagediebe und Taugenichtse, Models und Malerinnen, Kunstverständige und Kunstsammler, prekär Beschäftigte und Mäzene, verehrte Salonlöwen und Trophäenfrauen, Schauspielerinnen und Lebenskünstler, Spieler und Mauerblümchen, Banker und Immobilienhaie, Abhänger und Kulturetat-Gläubige kurz gesagt: hallo Frankfurt!
Und das soll Kunst sein? Bevor ich zur Beantwortung dieser Frage komme…
Ich freue mich sehr, heute hier stehen zu dürfen. Freue mich darüber, dass es Mirek und seine Familie mal wieder geschafft haben.

Das Wort Familie sagt schon viel aus. Die CDU spricht gerne von der Keimzelle der Gesellschaft. Eingeweihte wissen, dass man Familienmitglieder einspannen kann, und als Gegenleistung Luft und Liebe verspricht.

Daraus muss man in einer Stadt wie Frankfurt einen Trend machen. Warum dem Museum der Weltkulturen oder Michael Quast neue Gebäude hinterherwerfen? Warum das Schauspiel mit über 100 Millionen Euro fördern? Das Lola Montez zeigt, wie es geht: ein abgerissenes Fabrikgelände, kaum Miete, keine Heizung – und schon wähnt man sich so cool wie in Berlin, das Feuilleton schreibt begeistert von Frankfurts wahrer und einziger Off-Location. Off ist in. Und der Kulturdezernent sollte nicht eher ruhen, bis Max Hollein in einem unbeheizten Städel die Nächte frierend unter seinem Schreibtisch verbringen muss. Das ist dann – und damit komme ich zur Beantwortung der Frage – natürlich Kunst. Schlafen Sie mal jahrelang ohne Heizung in einer Industriehalle!
Rein inhaltlich gesprochen: Nein, das hier ist keine Kunst, es war nie welche, wird nie welche sein. Das Ordnungsamt hat in einem Brief die Frage, ob hier Kunst sei, ganz eindeutig beantwortet. Ich darf zitieren: Der Kunstverein nutzt diese Räume “zur Lagerung von Obst und Gemüse”. In diesem Sinne: einen genussreichen Abend und guten Appetit!

8.9.2011, “Und das soll Kunst sein?” im Kunstverein Familie Montez, Breite Gasse, Frankfurt