Technik

Nicht die Bohne

Bio hört sich so grün an, so schön, so rein, so klar. Schön also, wenn man plötzlich ein durch und durch umweltschädliches Unternehmen wie die Lufthansa grün anstreichen kann – und alle das dann auch brav berichten. Dabei wurde vom Konzern ja auch nicht weniger als eine Weltpremiere angekündigt. Mithilfe von Kerosin aus der Jatropha-Bohne und anderen Pflanzen soll das Fliegen mit Bio-Kerosin erprobt werden. 2,5 Millionen Euro stellt die Bundesregierung für das Projekt bereit, 6,6 Millionen Euro kostet es insgesamt. Und was bringt es? Auf der Strecke von Frankfurt nach Hamburg soll das vermeintlich grüne Kerosin verbrannt werden, hernach die Schadstoffemissionen analysiert und überhaupt der ganze ökologische Nutzen auf den Prüfstand gestellt werden. Ungeachtet des ökologischen Irrsinns eines Fluges von Frankfurt nach Hamburg. Ungeachtet der Tatsache, dass trotz aller Einsparbemühungen im Jahr 2025 rund 12,3 Millionen Tonnen Kerosin im Jahr benötigt werden – allein in Deutschland. Und ungeachtet der Tatsache, dass Flugbenzin in der EU nicht besteuert wird (mit Ausnahme der Niederlande).
Und nun noch folgende Idee: Bahnfahren! Dauert auf der genannten Strecke von Frankfurt nach Hamburg vier Stunden. Und gratis dazu liefert die Bahn folgende Grafik:

Podpress

Mal ‘ne Frage an die Blogprofis: gibt’s irgendeinen Trick um WordPress 2.7 und Podpress zur Zusammenarbeit zu bewegen? Drüben beim Pflasterstrand lassen sich nämlich seit dem Update keine Artikel mehr in die Zukunft pflanzen. Wenn Podpress ausgeschaltet ist, geht’s aber einwandfrei (auch der neue Quick Edit geht nicht mit Podpress)…

Als Ausweichmanöver habe ich jetzt mal Powerpress installiert, was auch nicht so verkehrt aussieht und zumindest die alten Podcasts auch stehen lässt – nur der iTunes-Feed ist damit äußerst leer… ich hasse Technik.

Die 64er-Generation

64erIch schwelge gerade in Erinnerungen. Der Grund ist ganz einfach: ein junger Mensch hat die erste Ausgabe der Zeitschrift 64er eingescannt und auf seiner Seite verfügbar gemacht. Diese erste Ausgabe hatte ich auch mal. Mein Onkel hatte sie mir zusammen mit dem dazugehörigen Commodore 64 mitgebracht. Wenn es irgendwann dazu kommt, dass man unsere Generation labeln muss, dann bitte als 64er – zumindest die männliche Hälfte. Mein C64 steht immer noch in meinem alten Kinderzimmer unter dem Bett, vor Jahren hab ich ihn nochmal ausgekramt als ich meine Eltern besucht. Er funktionierte einwandfrei, nur etliche der Disketten hatten ihren Geist aufgegeben. Auch damals: Erinnerungsfluten. Denn vor dem C64 habe ich gefühlt die Hälfte meiner Kindheit verbracht. Ich habe nach Schule Freunde mit nach Hause gebracht und wir haben Pirates gespielt, Bubble Bobble oder GI Joe, manchmal auch verbotenerweise Commando Lybia. Aus der oben genannten Zeitschrift habe ich Listings abgetippt, das waren seitenlange Programmcodes, aus denen dann ein Kalender entstehen konnte, oder Fraktalgrafiken oder auch gar nichts, weil man irgendwo mittendrin einen Zahlendreher hatte. In den späteren Ausgaben wurde es noch schwieriger, da galt es unverständliche Zahlenreihen abzutippen, die ein spezielles Programm dann in Code umwandelte – es war eine stupide Aufgabe, reiner Fleiß und ich bewies darin manchmal mehr Verve als bei meinen Schulaufgaben. Bevor ich den C64 besaß, hatte ich einen Atari 400. Er hatte keine richtige Tastatur, weswegen das mit dem Programmieren irgendwie flach fiel, doch dafür konnte man oben Cartridges reinstecken, auf denen Spiele wie PacMan oder Space Invaders waren. Der Atari sah so aus:
atari400
… und als mein Onkel ihn in einem Pappkarton aus seinem Auto holte, habe ich ihn ernsthaft gefragt, warum er mir Dachziegel mitgebracht hatte. Es waren, aus heutige Sicht, die spaßigsten Dachziegel mit denen ich je zu tun hatte. Den C64 hatte ich, glaube ich, bis ich 16 war. Danach bin ich direkt auf einen Pentium60 von EsCom umgestiegen, der etwa 10 Kilo wog und in einer einen Meter hohen Metallkiste vor sich hinbrummte und statt einem Fernseher einen Monitor benötigte. Es war nicht mehr ganz das gleiche. Zeit konnte man aber immer noch prima damit vergeuden. Alles in allem kann man sagen, dass ich wegen dieser Zeit vom Computerspielen geheilt bin. Ich habe genug für mein ganzes Leben gespielt. Aber ich denke immer noch gerne an die Zeit zurück – und kann es immer noch nicht ganz fassen. Cooler als die 68er, das muss man zugeben, waren wir auf jeden Fall.

via nerdcore

E-Mails sind komisch

Ich weiß nicht, woran das plötzlich liegt. Gerade habe ich gezögert eine E-Mail loszuschicken. Es kam mir so unwirklich vor. Ich dachte daran, wie es wohl war, als man noch Briefe schrieb. Man schrieb und schrieb, ließ dann die Tinte sorgfältig trocknen, las dabei noch mal drüber, schwenkte das Papier ein paar Mal in der Luft und schnappte dabei den so unnachahmlichen Geruch eines frischgeschriebenen Briefes auf, nahm dann einen Umschlag zur Hand, schrieb die Adresse nieder, öffnete eine Schublade, um eine Briefmarke herauszunehmen und zu befeuchten, klebte sie in die rechte obere Ecke und hauchte ein-, zweimal, um sicherzugehen, dass sie saß, faltete das Briefpapier an zwei Stellen, stopfte es in den Umschlag, fuhr mit der Zunge über die Gummierung auf der Rückseite, wodurch immer ein leichter Geschmack von Klebstoff im Mund zurückblieb, der aber durch ein Glas Mineralwasser schnell weggespült war, ein Glas, welches vor allem schon bereitstand und dessen Prickeln die Gedanken während des Schreibens ordnete und das nach einem letzten Schluck wieder auf den Schreibtisch gestellt wurde, woraufhin man sich erhob, das Zimmer, das Haus verließ und zum Briefkasten an der Ecke ging und den Umschlag hineinfallen ließ. Bald würde das Postauto kommen und den Kasten leeren und den Brief auf seine Reise schicken und dann würde er ankommen und einige Tage später hätte man vielleicht eine Antwort im Kasten. So war das damals, dachte ich, und dann drückte ich auf den “Senden”-Knopf. Und im gleichen Moment war die Nachricht schon beim Empfänger. Das ist unwirklich, komisch und seltsam. Vielleicht werde ich auch einfach alt.

Roboter mit Gehirn erfunden

Es hört sich erstmal nach Science-Fiction an: an der Universität Reading wurde ein Roboter entwickelt, dessen Herzstück ein biologisches Gehirn ist. Genauer gesagt: er wird von gezüchteten Neuronen gesteuert. Dabei geben ihm die Forscher keine Hilfestellung, er ist auf sich allein gestellt und soll lernen, sich zu bewegen, Objekten auszuweichen. Der Fokus der Forscher liegt nicht darauf, wie man zunächst vermuten könnte, den Grundstein für die Erschaffung von Cyborgs zu legen, sondern zu verstehen, wie unser Gehirn Informationen speichert. Daraus erhofft man sich neue Einsichten in Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson oder Gehirnverletzungen. Professor Kevin Warwick in einer Pressemitteilung der Uni:

This new research is tremendously exciting as firstly the biological brain controls its own moving robot body, and secondly it will enable us to investigate how the brain learns and memorises its experiences. This research will move our understanding forward of how brains work, and could have a profound effect on many areas of science and medicine.

Für den Versuch wurden 60 Neuronen auf eine Elektrodenplatte aufgebracht, die elektrische Impulse an die Zellen weitergibt, wenn sich der Roboter einem Objekt nähert. Die Reaktion der Neuronen darauf wird wiederum in die Steuerung des Roboters umgesetzt. So soll ein Lernprozess in Gang gesetzt werden, den die Forscher eingehend untersuchen wollen. Mit einer Menschmaschine hat das nichts zu tun. Von den 100 Milliarden Neuronen in unserem Gehirn, deren Synapsen die Zahl der Atome im Universum übersteigt (wie wir in der Fabuleux destin d’Amélie Poulain gelernt haben), ist der kleine Roboter weit entfernt. Grundlagenforschung nennt man sowas wohl. Im kommenden Jahr endet das Projekt, dann werden wir wissen, was das künstliche Wesen, vor allem aber was die menschlichen Forscher alles gelernt haben.

Quellen: AlphaGalileo.org, ZDnet

mobileMe …

… ist dieser neue Rundum-Sorglos-Service von Apple. Beziehungsweise sollte er sein. Ist er aber nicht. Mit dem Vorgängerprodukt war ich eigentlich zufrieden: es hieß dotmac, kostete 99 Dollar im Jahr und dafür wurden meine Mails, meine Kalender, meine Kontakte und meine Bookmarks zwischen dem Mac bei der Arbeit und dem zuhause synchronisiert. Und von jedem internettauglichen PC konnte ich auch drauf zugreifen. Was will man mehr? Nun heißt das ganze mobileme, die Onlineseiten sind langsam, Mails trudeln Stunden später ein und mein Mac zeigt 451 Synchronisationsprobleme beim Kalender an, die ich alle einzeln bestätigen soll, was sicher einige Stunden dauern würde, weil mein Computer nach jeder Problembeseitigung einige Sekunden pausiert (komplett, d.h. man kann auch nichts anderes machen).

Wie auch immer: ich bin jetzt bei Googlemail, hab ein Programm gefunden, das mein Adressbuch dorthin überträgt und der Google-Kalender und iCal vertragen sich auch. Bleibt nur noch die Frage, wie ich meine Bookmarks zwischen Arbeit und Zuhause synchronisiere und ich kann Apple meine Mitgliedsgebühren tatsächlich ersparen. In diesem Sinn: Dankeschön für mobileme, wahrscheinlich das erste Apple-Produkt, das mir Geld erspart …

Foto: Courtesy of Apple

Das Ende des Breitbands?

In den USA machen sich einige Internetprovider daran, die Zeit zurückzudrehen: sie schaffen die Flatrate wieder ab, die volumenbasierten Tarife kehren zurück. Noch sind es nicht mehr als Experimente, die zugrundeliegende Frage aber ist klar: warum soll jemand, der mehr Bandbreite verbraucht, nicht auch mehr dafür zahlen. Die New York Times berichtet von drei verschiedenen Beispielen: ein monatliches Kontingent, eine Verlangsamung der Internetverbindung bei “heavy users” und eine volumenbasierte Abrechnung. Solche Tarife werden sich nur schwierig wieder einführen lassen. Nach Jahren der kostengünstigen DSL-Flats sieht das in Deutschland genauso aus. Die Frage bleibt aber: wer bezahlt den ganzen Spaß? Durch Videos und Internetfernsehen, durch (legale wie illegale) Filmdownloads nimmt der Datendurchsatz stetig zu. Das geht nur so weiter, solange wir nicht an Download-Limits und zwangsverlangsamte Internetverbindungen zu denken haben. Hier zeigt sich auch, auf welch Füßen der derzeitige Netzaufschwung steht. Vielleicht wäre ein grundsätzliches Recht auf schnelles und unbegrenztes Netzvergnügen nicht die falscheste Entscheidung. Wenn, wann nicht jetzt, wollte man der Telekommunikationsbranche ein solches Gesetz nicht abtrotzen? In Zukunft könnte es weit teurer erkauft sein.

Foto: vanz/flickr

Wir Maschinenmenschen


Wir denken zusehends in Hyperlinks, in Schnipseln und in Metawissen. Und zum Beweis für diese steile These empfehle ich ausdrücklich den Artikel von Nicholas Carr bei theatlantic.com. Überschrift: Is Google Making Us Stupid? Hört sich erstmal recht reißerisch an. Die Sache ist: Carr hat recht. Schon in seiner Beschreibung, wie schwer es fällt sich auf längere Texte einzulassen, Bücher von vorne bis hinten zu lesen. Die Übersprungshandlungen nehmen zu. Unser Denken hüpft von Gedanke zu Gedanke wie von Link zu Link. Zu diesem Wort fällt uns jenes ein, zu jenem Wort dieses. Und dazwischen ist ein großes Meer an Nichts. Wer braucht noch Gedichte auswendig zu lernen, wenn die Verse nur einen Klick entfernt sind? Wer will sich noch Gedanken machen um das Wesen der Welt, wenn sie in Myriaden Nachrichtenmosaiksteinchen vermeintlich erklärt wird?

Schon aus dieser Perspektive ist es lohnenswert Carrs Gedanken zu folgen (über vier Seiten! Puh, wie anstrengend …) Wie in Kubricks 2001 bekommen die Maschinen die menschlichsten Züge, weil wir ihnen blind vertrauen:

In the world of 2001, people have become so machinelike that the most human character turns out to be a machine. That’s the essence of Kubrick’s dark prophecy: as we come to rely on computers to mediate our understanding of the world, it is our own intelligence that flattens into artificial intelligence.

Foto: joanofarctan/flickr

Blackish holish thing

Looking down at collision chamber
Bild: Robert Scoble

Die Möglichkeit, das unsere Erde vom bald in Betrieb gehenden Teilchenbeschleuniger beim CERN in Genf verschluckt wird, ist durchaus gegeben. Sie ist zugegeben sehr gering: eins zu eine Billion im Jahr, wie mal vor einiger Zeit ausgerechnet wurde. Manchmal zählt vielleicht auch nur die Möglichkeit einer Katastrophe und so verwundert es nicht, das gegen die Inbetriebnahme des Teilchenbeschleunigers nun Klage eingereicht wurde – in Honolulu. Nun ist es ebenso unwahrscheinlich, dass Mitarbeiter des CERN in einem Hawaiianischen Gericht auftauchen wie die Idee, dass die Erde in 50 Wochen die Größe eines Würfels haben könnte. Und stoppen wird es das Programm gewiss auch nicht. Aber die Geschichte an sich ist gut, vor allem weil der IHT, die darüber berichtet, keine so schlechte Überschrift eingefallen ist: “Try this headline: Black Hole Eats Earth”. Die Frage ist nur: wer sollte darüber berichten? Wer sollte die Wissenschaftler dann ins Gefängnis werfen, falls sie sich doch geirrt hätten? Und wer könnte noch über die Ironie lächeln, dass die Menschheit die Erde ausgerechnet dabei zerstört hat, wie sie versuchte herauszufinden, was sie im Innersten zusammenhält.

Uhrwerk des Lebens

Ein bisschen morbide, aber bestimmt eine gute Erinnerung daran, das wir nicht ewig leben (und Uhren auch mittendrin stehenbleiben können):

Entworfen von Bertrand Planes.

ps: die Uhren werden zurückgestellt – nicht vergessen!

The known universe

Wie sieht das Internet aus, wenn man zwischen den Adressen einzelner IP-Adressen Linien zieht? So:

Malen nach Zahlen, sozusagen. Quelle: wikipedia