Politik

Wo ist die Zwei-Prozent-Partei?

20130120-202538.jpgSeit Monaten hieß es: Nach der Niedersachsenwahl muss Rösler zurücktreten. Es klang wie ein Befehl. Spiegel Online kolportierte zum Beispiel am Freitag noch freudig: “Rösler unter Druck: Brüderle fordert rasche Neuwahl des FDP-Chefs.” In der taz orakelte Herr Küppersbusch: “Rösler fliegt wegen Niedersachsen, oder er ist trotz Niedersachsen angeschlagen.” Und die Süddeutsche schrieb angesichts der Meldung des Demoskopen Güllner, der die Partei bei zwei Prozent sah: “Nach der Forsa-Umfrage wäre die FDP selbst bei Berücksichtigung der Fehlertoleranz von plus/minus 2,5 Punkten nicht mehr im Bundestag vertreten.” Nun. In Niedersachsen ist die FDP auf zehn Prozent gekommen. Alle sind überrascht. Nur die politischen Kommentatoren nicht. Die CDU habe eben jede Mengen Stimmen rübergeschoben. Dabei war durch die aktuellste Umfrage zur Niedersachsenwahl von GMS im Auftrag von Sat.1 schon deutlich wohin die Reise an diesem Sonntag ging: : CDU 41 Prozent, SPD 33 Prozent, Grüne 13 Prozent, FDP 5 Prozent. Kommt dem Wahlergebnis ziemlich nahe – bis auf die CDU, die fünf Prozent weniger als vorhergesagt und die FDP, die fünf Prozent mehr als vorhergesagt bekam. Leider fand dieses Stimmungsbild kaum Widerhall, das Bild von der Zwei-Prozent-Partei blieb in den Köpfen, in den Schlagzeilen, in den Kommentaren. Offen wurde über die Nachfolger Röslers spekuliert. Kein Wunder, dass ihm soviele Wähler beisprangen. Christdemokraten, die auf ihre Partei hörten. Liberale, die sonst lieber zuhause geblieben wären.

Nun kommt die mediale Kehrtwende. Die Süddeutsche kündigt für ihre Printausgabe am Montagmorgen schon mal folgenden Bericht an: “Angela Merkel hat viele Schlachten hinter sich – Philipp Rösler hat gerade eine gewonnen. Die Kanzlerin mag den jungen Politiker. Sie will jetzt vor allem eines sehen: seine Stärke.” Die Meinungsumfrage als sich selbsterfüllende Prophezeiung. Hat mal wieder geklappt.

Das erste Industrieland

Den Plänen Berlusconis für einen Wiedereinstieg in die Atomenergie haben die Italiener eine Abfuhr erteilt. Acht neue Kernkraftwerke – das wollten über 90 Prozent der Bevölkerung nicht. Abgeschafft hatte man die Atomenergie ohnehin schon lange, wenige Jahre nach dem Tschernobyl-Unglück waren alle vier Kraftwerke abgeschaltet. Man muss sich das immer wieder in Erinnerung rufen, denn in vielen Medien wird Deutschland oft als das erste Industrieland bezeichnet, das den Ausstieg wagt (allerdings einen, der erst in über zehn Jahren Wirklichkeit wird). Der Focus-Chefredakteur Uli Baur schreibt zum Beispiel:

Deutschland will als erstes großes Industrieland aus der Atomenergie aussteigen, und das natürlich besonders schnell – und perfekt dazu. So wie es eben zu uns passt.

Sylvius Hartwig nutzt in der Badischen Zeitung die Gelegenheit dazu, daraus eine einsame Entscheidung Deutschlands zu stricken:

Deutschland wird das einzige große Industrieland ohne Kernenergie sein. China, Russland, England, Frankreich, die USA verkünden, dass sie den Ausbau fortsetzen werden. Mit der sich abzeichnenden Politik sieht die Zukunft dunkel aus, denn wir haben nicht die Wahl eines Ausstiegs ohne Folgen.

Und das Hamburger Abendblatt tut gleich so, als sei der Ausstieg ein ganz großer Wurf: “Als erstes großes Industrieland verzichtet die Bundesrepublik auf Atomkraft.”
Der Begriff vom “ersten Industrieland” stammt ursprünglich aus der Feder der Bundeskanzlerin. Sie hat ihn auch gerade noch einmal wiederholt: “Wir können als erstes Industrieland der Welt die Wende zum Zukunftsstrom schaffen.” Genau das mag für Italien nicht gelten. Ist aber auch nebensächlich, wenn man der Bevölkerung einreden will, das Industrieland und Atomenergie zwei Begriffe sind, die nicht zu trennen sind.

Überraschung! Die NPD ist rechts

Der Spiegel und die taz veröffentlichen Details aus internen E-Mails der NPD. Um es kurz zu machen: dass die NPD-Anhänger Ausländer nicht leiden mögen, ja, sie gar beschimpfen, außer Landes wissen möchten, dass sie sich ins Reich zurückwünschen, das ist alles keine Neuigkeit. Dass Neonazis unter ihresgleichen offensichtlicher hetzen als in der Öffentlichkeit: big deal! Dass es ein neues Verbotsverfahren bräuchte: eine Binsenweisheit. Was also hat sie gebracht, die große Aufdeckung von 60.000 Briefen? Nun, zum Beispiel die Erkenntnis, dass die taz kein Wort über Datenschutz verliert – nur lapidar mitteilt, dass der kleine veröffentlichte Teil der Mails geprüft wurde und teilweise zensiert. Die Frage, ob das sonst so vehement geforderte Recht auf Privatsphäre auch für Neonazis gilt, wurde gar nicht erst gestellt. Weil man sie sich schon selbst beantwortet hatte.

Die Frauenquote in der CDU

Schönes Wahlkampfthema hat die CDU da gefunden – mit der Diskussion über die Frauenquote weht ein moderner Wind durch die Partei, die beim Wählerinnen-Ergattern nur hilfreich sein kann. Ursula von der Leyen will 30 Prozent Frauenanteil in den Führungsetagen von Unternehmen, ihre Kabinettskollegin Kristina Schröder ist für freiwillige Lösungen. Tut mir sehr leid, das wird jetzt ein bisschen zahlenlastig, aber die interessante Frage ist doch – geht die CDU mit gutem Beispiel voran?

Unter Kristina Schröder arbeiten zwei Staatssekretäre, beides Männer. Denen wiederum unterstehen fünf Abteilungsleiter und der Bundesbeauftragte für den Zivildienst. Darunter, immerhin, eine Frau. Macht einen Frauenanteil von 12,5 Prozent.
Bei Frau von der Leyen arbeiten vier Staatssekretäre, alle männlich. Frauenanteil: 0 Prozent.
Insgesamt hat die Bundesregierung 16 Mitglieder, darunter sind sechs Frauen. Das immerhin überschreitet die 30 Prozentmarke, die von der Leyen fordert. Von den 30 Staatssekretären dahinter sind jedoch nur sieben Frauen, eine Quote von 23 Prozent.
Und im Bundestag? Sitzen bei der CDU/CSU über 80 Prozent Männer. Nur Linke und Grüne haben mehr weibliche als männliche Abgeordnete.
Vielleicht sollte die CDU erst einmal in ihren eigenen Reihen für vernünftige Verhältnisse sorgen, bevor sie den Unternehmen etwas ähnliches vorschreibt.

Der Bürgerpräsident

Wie heißt es doch: betrachten Sie immer beide Seiten einer Geschichte. Die Geschichte ist in diesem Fall eigentlich keine. Aber im ausgehenden Sommerloch immer gerne genommen: wo urlauben unsere Politiker. Die Bild-Zeitung konnte mit Leserreporter-Fotos von Bundespräsident Christian Wulff nebst Gattin und Anhang auf Mallorca aufwarten. Nach den Jubelarien in der Bild vor und nach der Wahl verwunderte die Schlagzeile wenig: “So normal macht Papa Präsident Urlaub.”

Und so geht’s weiter: “ER in blauer Leinenhose und kariertem Hemd, SIE im weißen Jeans-Rock mit Blümchen-Bluse – so „normal“ spaziert Bundespräsident Christian Wulff (51) mit First Lady Bettina (36) durch Port Andratx auf Mallorca.” usw. usf.

Spiegel online wusste am selben Tag folgendes zu berichten:

So schön kann Mallorca-Urlaub sein: Bundespräsident Wulff und Familie haben sich im Luxusanwesen ihres Freundes Carsten Maschmeyer entspannt. Natürlich, so betont das Präsidialamt, hat Wulff sich nicht einladen lassen. Doch ein Geschmäckle bleibt.

So normal wie Papa Präsident eben Urlaub macht.

Null Prozent plus X

Das Problem an Politik in Wahlzeiten ist, dass man Erwartungen schürt. Andrea Ypsilanti wollte nie mit den Linken koalieren. Huber und Beckstein gaben 50 Prozent plus X aus. Sie müssen mit den Ergebnissen leben. Da ist es fast egal, was die Auguren nun als wahlentscheidend deuten. Die vermasselte Debatte ums Rauchverbot? Die simple Feststellung “Die können es nicht”? Das Ergebnis in Bayern ist nur mehr ein Zeichen von der Schwäche der beiden großen Volksparteien. Und der Vergleich mit Hessen drängt sich schon auf. Die Sozialdemokraten haben es hier wie dort nicht geschafft die Schwäche der Konservativen auszunutzen. In Hessen haben die Genossen nach einem von ausländerfeindlichen Ressentiments geschürten und fehlgeleiteten Wahlkampf der CDU immerhin nicht das schlechteste, sondern nur das zweitschlechteste Ergebnis eingefahren. Das aber ist kein Erfolg. Und das Kratzen an der 20-Prozent-Marke in Bayern ist es auch nicht. Gewinner sind die kleinen Parteien. Ein Zeichen fortschreitender sozialer Atomisierung? Soweit ist es nicht. Nur sollten sich die führenden Politiker beider Parteien vor der kommenden Wahl eins ins Gedächtnis rufen: lieber keine Vorhersagen machen, ieber keine Verheißungen und keine Versprechungen, die sich nicht einlösen lassen. Bescheidenheit. Null Prozent plus X. Und: wir koalieren mit jedem. Dann gehen auch die ganzen Interviews nach sogenannten Wahldebakeln leichter von der Hand. Schlechtes Ergebnis, ja gut, aber 44 Prozent besser als wir dachten. Das ist doch was!

Foto: Conanil/flickr/cc-by

Öko-Graffiti

Farbdosen sind ja furchtbar out. Und billiges Gekritzel an Häuserwänden, U-Bahnhöfen und Stromkästen ebenfalls. Da ist es nur folgerichtig, wenn die Ökobewegung nun auch in der Straßenkunst Raum greift. Einem mir neuen Trend folgt die Illustratorin Anna Garforth, die ein Moos-Graffiti entworfen und an eine Wand aufgebracht hat. Mehr Bilder von dem grünen Gedicht finden sich auf ihrer Internetseite. “Living, breathin graffiti”, heißt es da. Und: “The moss acts as a healthy alternative to spray paints, eventually colonising and taking over the wall.” Nur wie man diese Graffiti herstellt, ist nicht zu erfahren. Zwei Googletreffer später erfährt man jedoch auf der Seite www.guerillagaertner.com wie es geht:

Eine handvoll Moos in den Mixer geben, zwei Tassen Buttermilch oder Joghurt, ein halber Teelöffel Zucker und nach Bedarf Wasser dazugeben und auf niedriger Stufe mixen. Die Konsistenz sollte einem Trinkjoghurt ähneln. Die Mischung auf feuchte Wände mit einem Pinsel auftragen und von Zeit zu Zeit kontrollieren, dass das Graffito feucht bleibt.

Gar nicht so schwierig also, mal abgesehen von der Tatsache, dass das natürlich immer noch von ordnungsliebenden Zeitgenossen als schlichte Sachbeschädigung aufgefasst werden könnte, wie ja auch auf das Bekleben von Kaugummiautomaten Geldbußen und bis zu drei Jahre Gefängnis drohen. Das regelmäßige Befeuchten einer Wand sollte demnach also am Besten in einer rentnerarmen und unbevölkerten Ecke geschehen. Für alle anderen Zwecke empfehlen sich die Samenbomben, eine Beschreibung, wie sie herzustellen sind ist ebenfalls bei den Guerillagärtnern zu erfahren.

Geht spielen!

Liebe Stadtplaner, Lokalpolitiker, Straßenmöbeldesigner und ordnungsliebenden Beamten,

seid nicht so. Lasst Euch inspirieren und beflügeln von den Taten junger Menschen, die nicht Funktion und Ratio glauben, die hinter die Dinge schauen und den festgefügten Alltag aufbrechen, ihn umbiegen und Schmunzelgebilde in den öffentlichen Raum setzen. So wie Bruno Taylor, der nicht nur eine Hüpfbank erfunden hat:

… sondern auch eine Bushaltestelle mit Schaukel. Wie sowas aussieht und was es mit den Menschen macht in diesem Video:

Kurzum – playful spaces. Taylor schreibt:

71% of adults used to play on the streets when they were young. 21% of children do so now. Are we designing children and play out of the public realm?

This project is a study into different ways of bringing play back into public space. It focuses on ways of incorporating incidental play in the public realm by not so much as having separate play equipment that dictates the users but by using existing furniture and architectural elements that indicate playful behaviour for all.

It asks us to question the current framework for public space and whether it is sufficient while also giving permission for young people to play in public.

Play as you go…

via: pixelsumo

Wie man sich in Deutschland unterwirft


Ende April hat sich Deutschland der Gerichtsbarkeit des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag unterworfen. Ohne formale Abkommen kann Deutschland nun die Länder verklagen, die sich ebenfalls unterworfen haben (derzeit um die 60) – und umgekehrt. Allerdings gibt es einige interessante Ausnahmen. Insbesondere militärische Einsätze sind so gut wie vollständig ausgenommen. Völkerrechtswidrige Kriege darf Deutschland also nach wie vor führen, ohne Angst haben zu müssen, vor dem UN-Gerichtshof dafür belangt zu werden. Dazu wendet die International Association Of Lawyers Against Nuclear Arms ein:

Zugleich verstößt die Bundesregierung mit dem doppelten „Streitkräfte-Vorbehalt“ gegen Artikel 24 Abs. 3 Grundgesetz. Dieser schreibt vor, dass Deutschland einer „umfassenden“ internationalen Gerichtsbarkeit beitritt. Dabei bedeutet „umfassend“, dass alle Sachgebiete, die Gegenstand eines zwischenstaatlichen Streites sein können, zur Zuständigkeit gehören. Dies schließt folgerichtig alle Streitigkeiten über die Rechtmäßigkeit militärischer Einsätze und ebenfalls die militärische Nutzung des deutschen Staatsgebiets durch eigene oder fremde Truppen ein.

Quelle: Stellungsnahme zur Unterwerfungserklärung, PDF

Man hätte es also auch gleich lassen können. Im Bundestag wurde auch nicht darüber debattiert, weil man die Erklärung per Kabinettsbeschluss zur Geltung gebracht hat. Alles andere wäre wahrscheinlich auch zu peinlich gewesen. Hätte man doch schließlich über die Einsätze zu Beginn des Irakkriegs in Kuwait und in Afghanistan ebenso diskutieren müssen, wie über künftige Militäraktionen.

via: Blätter für deutsche und internationale Politik, 7/08, Foto: icj-cij.org

Die Ersatzbank für Politiker

Kann man in diesen Tagen Europäische Union sagen, ohne die Iren zu erwähnen? Versuchen wir’s: Peter Hintze soll Mitglied der Europäischen Kommission werden, berichtet die FAZ. Der christdemokratische Pfarrer dürfte den meisten noch als eilfertiger Generalsekretär von Helmut Kohl bekannt sein, ist seither jedoch gottseisgedankt nicht mehr in Erscheinung getreten. Seine Weglobung nach Brüssel ist ein typisches Beispiel dafür, das Politiker, die es in Deutschland nicht bringen, aufs EU-Abstellgleis geschoben werden. Der rumpelige einstige CSU-Generalsekretär Söder ist nun etwa für die Europaangelegenheiten des Freistaats Bayern zuständig. Von unzähligen namenlosen EU-Abgeordneten und -Beamten gar nicht zu reden. Dabei entscheidet die Europäische Union Nachhaltigeres als es der Bundestag je könnte. Wenn die Parteien nicht langsam ihre Besten “wegloben” wird das nichts mit dem neuen Bild von Europa. Und, ach, die Iren …

Bild: Der Raub der Europa, Rembrandt, 1632

Unabhängig. Überparteilich

Seit einigen Tagen pappt auf dieser Seite dann und wann eine Google-Anzeige mit den Worten “Stoppt Gotteslästerung”, die auf eine Seite der Deutschen Vereinigung für eine Christliche Kultur verlinkt, die ich hier nun bewusst nicht verlinke. Dort lässt sich ein Appell an den Bundespräsidenten schicken, auf dass dieser eine Theatervorführung verdamme, in der nackte Menschen das Evangelium nachstellen und sich dabei geißeln – so zumindest die Kurzzusammenfassung der Christen auf das Stück “Messiah Game” der Berliner Compagnie Felix Ruckert, das wohl gerade bei der Theaterbiennale wiederaufgeführt wurde (es stammt aus dem Jahr 2005). Es ist ein Stück, das mal gute, mal weniger gute Kritiken bekommen hat, eigentlich wäre es also nicht wert darüber viele Worte zu verlieren. Aber durch seine Herangehensweise sorgt es wohl stets für Provokationen. Und damit für Aufmerksamkeit. Was darauf schließen lässt: die Deutsche Vereinigung für Christliche Kultur und ihre Aktion “Kinder in Gefahr” ist ein Projekt von Felix Ruckert, um dem eigenen Stück den nötigen Auftrieb zu geben. Dagegen spricht freilich, das auf der Seite der katholischen Fundis zu lesen ist, sie hätten sich bereits 1983 in Frankfurt zusammengefunden, um die “geistigen, sozialen und kulturellen Werte der christlich-abendländischen Kultur und Zivilisation die von einer seit mehr als fünf Jahrhunderte anhaltenden zersetzenden Revolution nach und nach zerstört werden soll” zu schützen. Wie es auch sei: ich distanziere mich hiermit klar von den Inhalten des Ruckert’schen Tanztheaters wie auch der “Kinder in Gefahr”. Und sage: seine Anzeigenkunden kann man sich nicht aussuchen. Aber was tut man nicht alles für rund einen Dollar im Monat.

Foto: flickr/lemoncat1

Milchboykott

Ich habe Bilder, in denen Menschen Lebensmittel wegschütten, noch nie so richtig verstanden. Ich erinnere mich an den Vorabend zum Irakkrieg, als einige aufgebrachte US-Amerikaner im Fernsehen zu beobachten waren, wie sie französischen Wein in die Gosse kippten. Sozusagen als Protest. Wobei es den Franzosen ja relativ egal sein durfte, ob die Amis den Wein nun trinken oder wegschütten – bezahlt war er ja.

Im Moment findet eine natürlich überhaupt nicht vergleichbare Situation statt: Milchbauern kippen Milch weg, weil sie sich am Milchboykott beteiligen. Das sieht natürlich sehr eindrucksvoll aus und wird vielleicht auch die Milchpreise für die Zeit des Boykotts hochtreiben, aber andererseits: bekommt Milch nicht den Anschein, ein billiges, ein im Überfluss vorhandenes und somit zurecht derart günstiges Lebensmittel zu sein, wenn man es in den Gulli schüttet wie Wasser? Trotzdem sieht man Menschen, die Lebensmittel aus Protest wegschütten viel zu selten. Seit dem Kriegsbeginn im Irak sind schließlich auch schon wieder vier Jahre ins Land gegangen. Die Ausschüttkultur liegt weltweit am Boden.