Wo ist die Zwei-Prozent-Partei?
20 Jan 2013
Seit Monaten hieß es: Nach der Niedersachsenwahl muss Rösler zurücktreten. Es klang wie ein Befehl. Spiegel Online kolportierte zum Beispiel am Freitag noch freudig: “Rösler unter Druck: Brüderle fordert rasche Neuwahl des FDP-Chefs.” In der taz orakelte Herr Küppersbusch: “Rösler fliegt wegen Niedersachsen, oder er ist trotz Niedersachsen angeschlagen.” Und die Süddeutsche schrieb angesichts der Meldung des Demoskopen Güllner, der die Partei bei zwei Prozent sah: “Nach der Forsa-Umfrage wäre die FDP selbst bei Berücksichtigung der Fehlertoleranz von plus/minus 2,5 Punkten nicht mehr im Bundestag vertreten.” Nun. In Niedersachsen ist die FDP auf zehn Prozent gekommen. Alle sind überrascht. Nur die politischen Kommentatoren nicht. Die CDU habe eben jede Mengen Stimmen rübergeschoben. Dabei war durch die aktuellste Umfrage zur Niedersachsenwahl von GMS im Auftrag von Sat.1 schon deutlich wohin die Reise an diesem Sonntag ging: : CDU 41 Prozent, SPD 33 Prozent, Grüne 13 Prozent, FDP 5 Prozent. Kommt dem Wahlergebnis ziemlich nahe – bis auf die CDU, die fünf Prozent weniger als vorhergesagt und die FDP, die fünf Prozent mehr als vorhergesagt bekam. Leider fand dieses Stimmungsbild kaum Widerhall, das Bild von der Zwei-Prozent-Partei blieb in den Köpfen, in den Schlagzeilen, in den Kommentaren. Offen wurde über die Nachfolger Röslers spekuliert. Kein Wunder, dass ihm soviele Wähler beisprangen. Christdemokraten, die auf ihre Partei hörten. Liberale, die sonst lieber zuhause geblieben wären.
Nun kommt die mediale Kehrtwende. Die Süddeutsche kündigt für ihre Printausgabe am Montagmorgen schon mal folgenden Bericht an: “Angela Merkel hat viele Schlachten hinter sich – Philipp Rösler hat gerade eine gewonnen. Die Kanzlerin mag den jungen Politiker. Sie will jetzt vor allem eines sehen: seine Stärke.” Die Meinungsumfrage als sich selbsterfüllende Prophezeiung. Hat mal wieder geklappt.





