Der Bürgerpräsident
31 Jul 2010
Wie heißt es doch: betrachten Sie immer beide Seiten einer Geschichte. Die Geschichte ist in diesem Fall eigentlich keine. Aber im ausgehenden Sommerloch immer gerne genommen: wo urlauben unsere Politiker. Die Bild-Zeitung konnte mit Leserreporter-Fotos von Bundespräsident Christian Wulff nebst Gattin und Anhang auf Mallorca aufwarten. Nach den Jubelarien in der Bild vor und nach der Wahl verwunderte die Schlagzeile wenig: “So normal macht Papa Präsident Urlaub.”
Und so geht’s weiter: “ER in blauer Leinenhose und kariertem Hemd, SIE im weißen Jeans-Rock mit Blümchen-Bluse – so „normal“ spaziert Bundespräsident Christian Wulff (51) mit First Lady Bettina (36) durch Port Andratx auf Mallorca.” usw. usf.
Spiegel online wusste am selben Tag folgendes zu berichten:
So schön kann Mallorca-Urlaub sein: Bundespräsident Wulff und Familie haben sich im Luxusanwesen ihres Freundes Carsten Maschmeyer entspannt. Natürlich, so betont das Präsidialamt, hat Wulff sich nicht einladen lassen. Doch ein Geschmäckle bleibt.
So normal wie Papa Präsident eben Urlaub macht.





Dies ist eigentlich eine Reportage, eine sehr lange, gebunden und herausgegeben von Suhrkamp und vielleicht war es ja dieses Büchlein von Tobias Rapp, dass die Verlagsleitung zuversichtlicher machte, den Umzug nach Berlin anzugehen. Es passiert dort ja so unheimlich viel. Lost and Sound ist eine Hommage an Berlin, an die Clubszene, an die elektronische Musik. Der Autor nimmt sich Zeit. Er beobachtet. Hört zu. Schreibt auf. Es geht ums Berghain und die dortige Panoramabar, um das Watergate, es geht um die Generation Easyjet, die zu porträtieren schon lange fällig war, vor allem, weil sie ein Phänomen des vergangenen Jahrzehnts war, wenn die Billigflieger endlich am steigenden Ölpreis scheitern (was, so man den Medienberichten aus dem vergangenen Jahr glauben mag, schon längst hätte passieren müssen).
Emma und Dexter. Dex und Em. Eine Liebesgeschichte in Schlaglichtern geschildert, Immer nur ein Tag, der 15. Juli, 20 Jahre lang. Zwei Menschen, die ein Kuss an einer englischen Straße bindet, die sich anziehen, die eigentlich nicht ohne einander können, aber das Leben besteht nun einmal aus verpassten Chancen. Emma arbeitet in einem schmierigen Texmex-Lokal, träumt vom Schriftstellertum. Dexter reist erstmal um die Welt, nach Indien und überhaupt, es sind die 80er, er lernt eine Producerin kennen, stolpert ins Fernsehen, verliert die Bodenhaftung, seinen Witz, die Selbstironie.








Inhaltlich ist die tageszeitung schon lange eine ganz normale Zeitung. Agenturmeldungen in den Randspalten, namentlich gekennzeichnete Artikel in der Mitte, Hintergrundstücke und Reportagen, zwei Seiten Kommentare, Sport, politisch irgendwie leicht links der Mitte und manchmal mit leichtem Wehmut an frühere Zeiten, was ja auch nicht ungewöhnlich ist, wenn man gerade 30 geworden ist. Nun also ein neues Layout, in das einige unbezahlte Überstunden geflossen sein dürften; ein Layout, das beim Guardian abgeschaut worden sein soll, in Wahrheit aber irgendwie Rundschauesk rüberkommt. Aufgeräumt, seriös, tausendmal gesehen. 2,30 Euro kostet die Samstagsausgabe, da muss man am Kiosk nochmal im Portemonnaie kramen, um nachzulegen. Bekommt aber farbige Seiten und eine Sonntagsbeilage mit dem kindischen Namen sonntaz, die aber wirklich gut ist. Wie ein Magazin eben, nur auf billigem Zeitungspapier gedruckt. Achso, das mit der Rundschau: irgendwie dann doch komisch, dass FAZ und 



