Knallerbsen

Der Name dieses Geschöpfs ist Schneebeere oder Symphoricarpos albus, aber natürlich sagt das niemand. Knallerbse ist der gebräuchlichere Name. Als Kinder haben wir sie mit Wucht auf den Boden geworfen, immer fester und fester, weil wir wollten, dass sie „Knall“ machten, oder wir traten drauf, doch das hat beides nur bedingt funktioniert. Sie sollten knallen wie diese kleinen Kracher, die auch Knallerbsen hießen oder hessisch politisch-unkorrekt Juddeferze. Wir bewarfen uns auch gegenseitig, weil das irgendwie auch knallte. Und wenn man sie isst, knallt’s auch, jedenfalls vermuteten wir den Tod in diesen kleinen, wächsernen Kugeln (Boule de cire), darum hatte ich auch einmal eine Heidenangst, als mir ein solches Geschoss in der Nähe des Mundes zerplatzte. Eine etwas übertriebene Reaktion, aber damals gab es ja noch kein Internet. Sie denken jetzt bestimmt, ich hätte einen, verzeihung, Knall, aber nein, das sind nur so die Gedanken, wenn ich am Rande des winterlichen Stadtwalds eine weiße Frucht am Ende eines Zweigs entdecke. Na, und dann fällt mir noch die Geschichte ein, die uns Journalisten im vergangenen Jahr bei der Präsentation des deutschfranzösischen ICE im Bahnbetriebswerk Frankfurt-Griesheim erzählt wurde. Der führt ebenfalls Knallerbsen mit – aus Sicherheitsgründen. Falls es mal knallt.