Wie man eine Schusswaffe loswird

walther

Es geht alles ganz einfach. Ordnungsamt, Tür auf, Waffenschein, Waffe, Munition auf den Tisch, der Beamte zieht eine Kopie, schreibt dann ins Original das Abgabedatum, durchladen, nachgucken, Munition, aha, ja gut, dann vielen Dank auch. Die (geerbte) Walther PPK meines Vaters liegt nun in einem Safe und irgendwann wird sie abgeholt und ins Landeskriminalamt gebracht, wo man wahrscheinlich entscheidet, sie zu recyclen, also einzuschmelzen. „Schade drum“, meint der Beamte, weil Walther ja eine gute Firma sei. Heute möchte sie dennoch niemand mehr haben, keine Sportschützen, keine Sammler, weil es tausende von ihr gibt und fast vierzig Jahre alt ist sie nun auch bereits. In diesem alten Hamburger Tatort mit Manfred Krug da könne man die noch sehen, aber die Polizei benutze die schon lange nicht mehr. Dennoch, eine gute Waffe. Es stimmt ja auch, die Pistole liegt fest in der Hand, sie ist mechanische Ingenieurskunst und doch soviel mehr als das. Nämlich eine Möglichkeit zum Mord.

browning

Etwa zehn Millionen registrierte Schusswaffen gibt es in Deutschland, heißt es in Zeitungsartikel von 2005. Nach dem jüngsten Amoklauf war von acht Millionen die Rede, was nichts anderes heißt als: so genau weiß man es nicht. Der Amoklauf war auch der, entschuldigung, Startschuss für eine Gesetzesinitiative, aus der wieder nichts wurde. Warum das so ist, kann man wunderbar in der aktuellen Zeit nachlesen. Da heißt es unter anderem:

Die Gesetzesmacher berieten sich (…) mit den Gegnern einer Verschärfung. Befürworter kamen dagegen nicht zu Wort. Wer etwa SPD-Verhandlungsführer Körper fragt, ob er denn auch mit der Gegenseite gesprochen habe, bekommt eine kurze Antwort: „Welche Gegenseite? Wir haben keinen öffentlich wirksamen Gegenpol in der Debatte.“

Nunja: es gibt zumindest keinen offiziellen Ansprechpartner. Es gibt keine Vereine und keine Verbandsvorsitzenden. Aber es gibt so etwas wie eine öffentliche Meinung. Da wäre zum Beispiel diese Emnid-Umfrage:

78 Prozent wollen Gewehre und Pistolen in Privathaushalten generell verbieten. Nur 20 Prozent sind gegen einen solchen Schritt.

Die Jagdverbände und die Schützenvereine ärgerte dies. Sie schickten Briefe an die Politiker und brachten so alle Vorschläge zum Fall. Ein Amoklauf, so ihr Argument, hätte durch nichts verhindert werden können. Außerdem würden nun alle Menschen mit einer Waffe unter Generalverdacht gestellt. (Der saarländische Jägermeister verglich das damit, dass der Besitz eines Autos ja auch nicht … undsoweiter wofür er sich später immerhin entschuldigte.) Der Deutsche Jagdverband ist jedenfalls recht stolz auf sich und seine Mitglieder:

Einzelne Jäger haben den DJV-Protestbrief innerhalb von 9 Tagen 3.000 Mal aus dem Internet heruntergeladen, um ihre Bundestagsabgeordneten anzuschreiben. Das alles zusammen zeigte Wirkung.

Den besten Kommentar zu der nun erfolgten „Verschärfung“ des Waffenrechts, die unter anderem das Verbot von Paintball-Spielen vorsieht, erschien in der Süddeutschen:

Die Verschärfung des Rechts sieht nun also so aus, dass man mit Waffen, die nicht scharf sind, nicht mehr schießen darf, sehr wohl aber ohne Restriktion mit scharfen Waffen.

nobel

Man könnte auch von einem Versagen der Politik sprechen. Denn die Frage, warum man mit Mordwaffen (denn zu nichts anderem werden sie konstruiert) auf Zielscheiben schießen muss, um Sport zu treiben, konnte die Große Koalition nicht beantworten. Reichen nicht auch Luftgewehre und -pistolen? Egal, wie gut eine Waffe in der Hand liegt, egal, wie „schön“ das Gefühl sein mag, ihren Rückstoß und ihre Macht zu spüren, in Privatbesitz gehört weder Klein- noch Großkalibriges. Zynisch gesagt, kann man nur hoffen, dass der nächste Amoklauf nicht in ein Wahljahr fällt. Dann gäbe es vielleicht eine Chance für ein Verbot von Kleinwaffen. Bis dahin müssen wir unsere Waffen eben selbst zur Schmelzanlage bringen. Und vielleicht sollten wir einen Verein gründen, der sich für ein solches Verbot einsetzt. Damit die Politiker zu ihren Beratungen auch jemand hinzuziehen können, der nicht zur Waffenlobby gehört.