Die 64er-Generation

64erIch schwelge gerade in Erinnerungen. Der Grund ist ganz einfach: ein junger Mensch hat die erste Ausgabe der Zeitschrift 64er eingescannt und auf seiner Seite verfügbar gemacht. Diese erste Ausgabe hatte ich auch mal. Mein Onkel hatte sie mir zusammen mit dem dazugehörigen Commodore 64 mitgebracht. Wenn es irgendwann dazu kommt, dass man unsere Generation labeln muss, dann bitte als 64er – zumindest die männliche Hälfte. Mein C64 steht immer noch in meinem alten Kinderzimmer unter dem Bett, vor Jahren hab ich ihn nochmal ausgekramt als ich meine Eltern besucht. Er funktionierte einwandfrei, nur etliche der Disketten hatten ihren Geist aufgegeben. Auch damals: Erinnerungsfluten. Denn vor dem C64 habe ich gefühlt die Hälfte meiner Kindheit verbracht. Ich habe nach Schule Freunde mit nach Hause gebracht und wir haben Pirates gespielt, Bubble Bobble oder GI Joe, manchmal auch verbotenerweise Commando Lybia. Aus der oben genannten Zeitschrift habe ich Listings abgetippt, das waren seitenlange Programmcodes, aus denen dann ein Kalender entstehen konnte, oder Fraktalgrafiken oder auch gar nichts, weil man irgendwo mittendrin einen Zahlendreher hatte. In den späteren Ausgaben wurde es noch schwieriger, da galt es unverständliche Zahlenreihen abzutippen, die ein spezielles Programm dann in Code umwandelte – es war eine stupide Aufgabe, reiner Fleiß und ich bewies darin manchmal mehr Verve als bei meinen Schulaufgaben. Bevor ich den C64 besaß, hatte ich einen Atari 400. Er hatte keine richtige Tastatur, weswegen das mit dem Programmieren irgendwie flach fiel, doch dafür konnte man oben Cartridges reinstecken, auf denen Spiele wie PacMan oder Space Invaders waren. Der Atari sah so aus:
atari400
… und als mein Onkel ihn in einem Pappkarton aus seinem Auto holte, habe ich ihn ernsthaft gefragt, warum er mir Dachziegel mitgebracht hatte. Es waren, aus heutige Sicht, die spaßigsten Dachziegel mit denen ich je zu tun hatte. Den C64 hatte ich, glaube ich, bis ich 16 war. Danach bin ich direkt auf einen Pentium60 von EsCom umgestiegen, der etwa 10 Kilo wog und in einer einen Meter hohen Metallkiste vor sich hinbrummte und statt einem Fernseher einen Monitor benötigte. Es war nicht mehr ganz das gleiche. Zeit konnte man aber immer noch prima damit vergeuden. Alles in allem kann man sagen, dass ich wegen dieser Zeit vom Computerspielen geheilt bin. Ich habe genug für mein ganzes Leben gespielt. Aber ich denke immer noch gerne an die Zeit zurück – und kann es immer noch nicht ganz fassen. Cooler als die 68er, das muss man zugeben, waren wir auf jeden Fall.

via nerdcore