Der Spiegel der Stadt

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Wir Journalisten mögen es gerne kurz und knapp. Die Frage, was ein Stadtmagazin im Allgemeinen und das JOURNAL FRANKFURT im Besonderen ausmacht, wurde mir in den vergangenen Jahren oft gestellt, nicht selten ausklingend mit dem Wunsch, dies doch bitte in einem Satz zu versuchen. Meist bestanden meine hilfsweisen Antworten aus Formulierungen wie diesen: „Wir schreiben, über was die Stadt in den kommenden zwei Wochen sprechen wird.“ Oder so ähnlich. Das trifft es natürlich nur zum Teil. Ein Stadtmagazin, wie ich es mir vorstelle, ist ein unerlässlicher Begleiter für jene Menschen in unserer Region, die wissen wollen, welche Theaterstücke, welche Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Restaurants, Kinofilme gerade einen Besuch wert sind. Es entwickelt darüber hinaus Denkanstöße für die Kulturpolitik und die Stadtentwicklung, eine Haltung zu gesellschaftlichen Fragestellungen.

910ad4dc951a45e53a30Vor 25 Jahren erschien die erste Ausgabe des JOURNAL FRANKFURT, gewissermaßen ein Kind der Vermählung von PflasterStrand und Auftritt, den beiden großen Vorgängermagazinen. Während ich dies schreibe, stehen in meinem Rücken in Leder gebunden 614 Ausgaben dieses Stadtmagazins. Würde ich mich umdrehen und anfangen zu blättern, ich würde mich, wie schon so oft, nach einer Stunde fragen, wo die Zeit hin ist. Meine und die vergangene. Das Stadtmagazin ist so sehr Spiegel der Gesellschaft, dass es oft vollständig in der Gegenwart aufgeht.

In diesem Heft wollen wir denn auch keine Rückschau wagen, sondern eine Beschau der Gegenwart und auch der Zukunft unserer Stadt. Es ist eine Liebeserklärung an unsere kleine Metropole geworden, nicht kurz und knapp, sondern mit der nun nötigen Opulenz. Dazu zählen auch die beiliegenden 25 Aufkleber, unser Geschenk an Sie. Was mich zu einer besonderen Liebeserklärung führt, nämlich gegenüber Ihnen, den Lesern und Kunden unseres Verlages, die uns ermöglichen, Frankfurt den Spiegel vorzuhalten – und nicht zuletzt den unzähligen Menschen, die unsere Stadt bereichern und ohne die jene über 600 Hefte seltsam leer und seelenlos geblieben werden. Denn das, was eine Stadt ausmacht, und damit auch das JOURNAL FRANKFURT, sind ihre Menschen und die Geschichten, die sie erzählen.

Ist Ihnen noch eine besondere Story aus dem JOURNAL FRANKFURT in Erinnerung? Dann schreiben Sie mir: chefredaktion@mmg.de. Auf unserer Website 25jahre.journal-frankfurt.de wollen wir in den kommenden Monaten ein kleines Jubiläumsarchiv aufbauen.

Erschienen im Journal Frankfurt vom 3. November 2015, Foto: Nicole Brevoord