Was möchten Sie wissen?

11039836_10205681357370885_6082171121269921170_nKaum einer redet über Überwachung, aber jeder kann eine Geschichte beisteuern, die irgendwas damit zu tun hat. Zum Beispiel fanden wir es neulich in der Redaktion interessant, dass wir ein Foto von der Website des Städels oder des Museums für Moderne Kunst runterladen, dafür wird die Eingabe von Telefonnumer und Mail-Adresse verlangt und kurze Zeit später ruft eine freundliche Dame an und sagt, man habe gerade gesehen, dass wir Bilder runtergeladen hätten und wofür das denn sei und ob man noch etwas für uns tun könne.

Unser Fotograf Harald Schröder erinnerte sich an die 80er-Jahre, als er mal von der Frankfurter Rundschau nach Hanau geschickt wurde, um Giftfässer auf dem Gelände einer US-Kaserne zu fotografieren, die ausgelaufen sein sollten. Er fotografierte aus dem vorbeifahrenden Auto eines Freundes heraus und drei Tage später klopfte die Kriminalpolizei an seiner Wohnungstür und fragte, was er denn da gemacht hatte. Schon damals waren die Amerikaner also ziemlich fit in solchen Dingen.

Eine meiner Überwachungsgeschichten führt zurück in jugendliche Jahre (so lange her!), als ich noch bei meinen Eltern in einem Hochhaus in Offenbach lebte und irgendwann waren dort Videokameras angeschafft worden für die Eingänge und den Bereich vor den Aufzügen. Eines Tages kam ich nach Hause und fand mehrere Zettel am Haupteingang vor, auf dem groß geschrieben stand: „Wer hat diese Leute gesehen?“, darunter ein schwarzweißes Überwachungskamera-Foto, auf dem drei Personen zu sehen waren. Ein Mann und eine Frau, augenscheinlich die gesuchten Einbrecher, gingen in einen Aufzug, ihre Gesichter waren kaum auszumachen. Daneben ein großgewachsener junger Mann, der ihnen zuvorkommend die Aufzugstür aufhielt und freundlich in die Kamera lächelte. Dieser Mann war ich. Ich riss wütend alle Zettel ab und beschloss künftig nicht mehr viel von Überwachungskameras zu halten. Heute sehe ich die Überwachung zwiespältig. Ich habe nichts gegen Videokameras in Bahnhöfen, weil ich weiß, dass sich einige seltsame Leute damit von Machenschaften abhalten lassen. Auch der ein oder andere tumbe Terrorist lässt sich durch elektronische Überwachung aufspüren. Doch vollständige Sicherheit wird es nicht geben, wer will, wird einen Weg finden und im Zweifel ist es ihm egal, wenn er dabei gefilmt wird. Die Balance zu finden, ist schwieriger geworden. Gerade deswegen sollten wir mehr über Überwachung reden – und wenn wir erstmal nur unsere eigenen Erfahrungen dazu beisteuern.

Editorial zum Journal Frankfurt 14/2015, Titelthema: Überwachung, Foto: Laura Roban