Beseeltes Ei

Namen für den Gingko-Baum:

Beseeltes Ei, Elefantenohrbaum, Entenfußbaum, Fächerblattbaum, Frauenhaarbaum, Goethebaum, Goldfruchtbaum, Großvater-Enkel-Baum (der Großvater pflanzt den Baum, der Enkel kann dann die „Früchte“ ernten), Japanbaum, Japanischer Nussbaum, Mädchenhaarbaum, Silberaprikose, Tausend Taler, Tempelbaum, Weiße Frucht

Quelle: wikipedia

Dunkelkammer

Dunkle Stadt

War alles schon mal

Es hat eine gewisse Ironie, wenn man darüber nachdenkt, ob alles schon mal war, alles schon mal gesagt, gemacht, getan, gedacht, geglaubt, gewusst, geschrieben wurde und man dann beim Blättern auf folgende, recht bedenkenswerte Sätze stößt:

Man braucht, um zu träumen, nicht mehr die Augen zu schließen, man muß lesen. Das wahre Bild ist Kenntnis. Es sind die bereits gesagten Worte, die überprüften Texte, die Massen an winzigen Informationen, Parzellen von Monumenten, Reproduktionen von Reproduktionen, der modernen Erfahrung die Mächte des Unmöglichen zutragen. Nur noch das ständige Raunen der Wiederholung kann uns überliefern, was nur ein einziges Mal stattgefunden hat. Das Imaginäre konstituiert sich nicht mehr im Gegensatz zum Realen, um es abzuleugnen oder um es zu kompensieren; es dehnt sich aus, im Spielraum des noch einmal Gesagten und der Kommentare; es entsteht und bildet sich heraus im Zwischenraum der Texte.

Michel Foucault, Schriften zur Literatur

Kommentarmüllendlager

Seit einigen Monaten schaue ich öfter als sonst bei Welt Online rein. Ich weiß auch nicht, warum. Aber abgesehen von komischen Bildergalerien mit vielen nackten Frauen (ist im Springer-Konzern wohl irgendwie angesagt), demgegenüber sehr konservativen Kommentaren, die nicht selten den prüden Geist der 50er-Jahre atmen (nochmal: Springer), gibt es dann doch hin und wieder sehr tolle Artikel, man möchte fast sagen: Perlen, denn finden muss man sie erstmal, aber das ist bei Spiegel-Online ja ähnlich. Die Möglichkeit unter jeden Artikel Kommentare setzen zu können unterscheidet Spiegel und Welt-Online dann doch erheblich voneinander. Nachdem ich mich nun schon einige Male durch die Statements einiger Leser geklickt habe, bleibt nur zu bemerken: weg mit der Kommentarfunktion! Zwei Gründe: erstens steht dort zu 90 Prozent nur Schund, teilweise sogar xenophober, rechter Schund, Beleidigungen, Unzutreffendes, Verschwörungstheorien, antisemitisches. Zweitens: macht man SpiegelOnline per Leserbrief auf einen Fehler aufmerksam, ist der meist nach kaum einer Stunde korrigiert und eine Dankesmail liegt im E-Mail-Fach. Bei der Welt verkümmern Hinweise in den endlosen Stollen, die man nicht anders als Kommentarmüllendlager nennen kann. Beispiele? Bitte: am 24. März schreibt Thomas Delekat ein Interview mit dem hessischen Landtagsabgeordneten Tarek Al-Wazir nieder, in dem der Wissenschaftsminister schlicht Korz geschrieben wird, nicht Corts. Trotz Hinweis ist dies bis heute nicht geändert, was ganz einfach daran liegt, das kaum jemand bei der Welt die Kommentare liest, die Autoren nicht, die Online-Redakteure nicht. Gelöscht wird zwar ab und an, aber nur das Gröbste und nur dort, wo es unvermeidlich scheint, dass üble Kommentare auflaufen. Und dass sich ein Journalist einmal dazu herabließe in die Diskussion mit einzusteigen ist ebenfalls äußerst selten. Das Fehler nicht korrigiert werden, ist dabei dann irgendwie auch nachrangig, immer noch lassen sich unter dem Artikel Meinungen wie diese lesen:

Tarek-Al-Wazir..”Chef der hessichen Gruenen”..das sagt alles. Willkommen zur Weimarer Republik..aber damals waren das wenigtstens Deutsche. Wie doof, ein Volk. Armes DL!

Man kann es natürlich auch so sehen, wie der Kommentator Wolle unter einem Artikel über die NPD:

bei der nächsten Wahl wird sich zeigen wer den “etablierten Parteien ” noch vertraut. Die Menschen haben die Nase voll von dem Taktieren und den Lügen dieser ” demokratischen ” Parteien. Nur deshab soll die NPD verboten werden, um einen Konkurenten auszuschalten. Man kann die Wahrheit in diesem Land nicht mehr publizieren. Alle Medien werden von Linken oder extrem Linken beherrscht. Und hier erfolgt auch die Zensur von Lesermeinungen. Eine Ausnahme bildet ” Die Welt “, deshalb großes Lob.

In diesem Sinne: Liebe Welt, vielen Dank für die Wahrheit.

You don’t fool me …


Comic von we the robots

Ihr werdet mich jetzt bestimmt für absolut humorfrei, griesgrämig und irgendwie bemitleidenswert halten, aber: Ich mag keine Aprilscherze. Besonders keine von Medien. Erst recht nicht, wenn sie nicht lustig sind. Nun ist die Definition des Wortes “lustig” höchst subjektiv. Aber wenn ich heute früh schon in der FAZ eine halbe Seite dafür vergeudet sehe, dass Bulle und Bär nach Eschborn umziehen und den Börsenplatz künftig ein Liesel-Christ-Denkmal zieren wird, dann muss ich meine Cornflakes leider verschlucken und in mich hineinhusten. Was haben wir gelacht.

Wenn ich dann arbeite und die erste Viertelstunde weitgehend koffeinfrei und noch etwas verschlafen damit verbringe, eine Meldung von hr-online nachzurecherchieren, nach der im Landtag eine Drehbühne eingebaut ist, die aus dem Frankfurter Theater stammt, damit nicht immer die gleiche Partei neben der Linken sitzen muss und dann erleichtert bin, dass ich nur die sehr humorvolle Pressesprecherin des Schauspiel Frankfurts und nicht die bestimmt sehr humorfreien, wenn nicht sogar schadenfreudigen Mitarbeiter des hessischen Landtags erreicht habe, bevor mir auffiel das auch dies ein, im Nachhinein sehr offensichtlicher, aber bestimmt nicht komischer Aprilscherz war, dann ist meine Meinung über Aprilscherze zugleich noch ein wenig mehr gesunken. Gottseidank war das Wetter bombastisch. Mensch, der Frühling ist da, was soll einen da noch runterziehen. Scherze sind es gewiss nicht, zumindest solche, die auf dem humoristischen Level von Faschingssitzungen rangieren.

PS: Das Humorloseste an Aprilscherzen sind aber mit Sicherheit die Erklärungen die nachgereicht werden, das ist so, als ob man an einem Witz, bei dem keiner gelacht hat, versucht, die Pointe zu erklären. Hört bitte auf damit!

PPS: Ja, ich weiß, es gab auch lustige Aprilscherze. Den von unserm Kinoredakteur fand ich zum Beispiel cool: Roland, der Film. Oder die fliegenden Pinguine bei der BBC. Aber das sind Ausnahmen.