Oster-Videoschau …

… Ben Hur im Fernsehen schauen ist für Anfänger. Wir beginnen die Videoschau mit diesem feinen Stück aus der Mall Eures Vertrauens:

200 Jahre Faust

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.

Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,
Und manche liebe Schatten steigen auf;
Gleich einer alten, halbverklungnen Sage
Kommt erste Lieb und Freundschaft mit herauf;
Der Schmerz wird neu, es wiederholt die Klage
Des Lebens labyrinthisch irren Lauf,
Und nennt die Guten, die, um schöne Stunden
Vom Glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.

Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
Die Seelen, denen ich die ersten sang;
Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
Verklungen, ach! der erste Widerklang.
Mein Lied ertönt der unbekannten Menge,
Ihr Beifall selbst macht meinem Herzen bang,
Und was sich sonst an meinem Lied erfreuet,
Wenn es noch lebt, irrt in der Welt zerstreuet.

Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
Nach jenem stillen, ernsten Geisterreich,
Es schwebet nun in unbestimmten Tönen
Mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich,
Ein Schauer faßt mich, Träne folgt den Tränen,
Das strenge Herz, es fühlt sich mild und weich;
Was ich besitze, seh ich wie im Weiten,
Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten.


Faust, Zueignung – Ostern 1808 veröffentlicht.

Mehr von Goethe

Grimms Braunkohlemärchen

Schon lustig, was es im weiten Feld des Internets so gibt. Zum Beispiel das Braunkohle-Forum, in dem, natürlich, über die Vorzüge der Braunkohle geschrieben wird. Da erfährt man zum Beispiel auch, das Aschenputtel ein billiges Mädchen war. Nee, wirklich, seht selbst:
fleissig und billig
Den gesamten Artikel von Dr. Erdmann (auch kein Witz) gibt es hier zu lesen.
Und das Braunkohle in Zeiten der Klimadebatte irgendwie out, ja sogar unglaublich out ist, wird auf der Seite auch widerlegt. Ab 2020 gebe es nämlich die Option, das anfallende Kohlendioxid einfach wieder einzulagern. Vielleicht dort, wo früher mal die Braunkohle lag. Falls das nicht klappt, gilt dann bestimmt dieser Satz aus den Rechtshinweisen, in dem der dahinterstehende Deutscher Braunkohlen-Industrie-Verein e.V. (DEBRIV) verlautbart:

Der DEBRIV bemüht sich im Rahmen des Zumutbaren, auf dieser Website richtige und vollständige Informationen zur Verfügung zu stellen.

Nun noch ein Rat fürs Wochenende: Bollerofen anwerfen, es wird kalt. Am prasselnden Braunkohlefeuer etwas in Grimms Märchen schmökern, dazu das eine oder andere Eierlikör-Osterei verdrücken – was könnte es schöneres geben?

Ganz unten

Oliver Gehrs verreißt in seinem Videoblog in dieser Woche “nur” das Spiegel-Sonderheft “Das starke Geschlecht”. Natürlich vollkommen zurecht – und auf die Tatsache, das beim Spiegel nur Männer in den Führungspositionen sitzen hatte Gehrs schon bei anderer Gelegenheit drauf hingewiesen.
Leider gäbe es im aktuellen Spiegel noch etwas weitaus Schlimmeres, Grundsätzlicheres zu kritisieren, nämlich ein Interview mit dem Münchner Paartherapeuten Stefan Woinoff. Man muss gar nicht lange lesen, um das Kotzen zu kriegen, im Grunde nur bis zur ersten Antwort:

Woinoff: Als ich meine Frau kennengelernt habe, war sie 20 und ich 31, sie war Studentin und ich Assistenzarzt – ich glaube schon, dass das archaische Beuteschema da ein wenig mitgewirkt hat.

SPIEGEL: Was ist das “archaische Beuteschema”?

Woinoff: Das sind die Kriterien, nach denen man sich einen Partner auswählt. Die sind bereits in der Steinzeit entstanden, prägen uns aber bis heute.

Genau. Und seit der Steinzeit ist auch nichts weiter passiert. Die Empfehlung des Wissenschaftlers lautet: Frauen sollten nicht so hohe Ansprüche haben und “nach unten” heiraten, also sozial schlechter gestellte Männer heiraten, damit Karriereweiber auch mal nen Mann und vor allem natürlich Kinder bekommen, geht ja sonst nicht. Mal außer acht gelassen, dass es in anderen europäischen Ländern durchaus auch funktioniert, ohne dass die Frauen nach ihre Ansprüche zurückschrauben. Wobei sowieso fraglich ist, ob solche Kriterien tatsächlich eine Rolle spielen und es nicht eher an den tradierten Verständnis der Männer liegt, das hierzulande Frauen viel zu geringen Einfluss haben (nein, ich will mich jetzt nicht ranschleimen, es ist einfach so).

Die Familientraditionen muss man gar nicht in der Steinzeit suchen, sondern in der Ideologie der Mutterschaftskreuze, die man heute ganz christdemokratisch Herdprämie nennt. Die Frauen auf Mütter zu reduzieren, die Männer als Ernährer zu sehen ist in der Ideologie des Nationalsozialismus viel eher verankert. Und das dass Problem vielleicht nicht bei den Frauen liegt, die nicht gerne nach unten heiraten, sondern bei den Männern, die nicht gerne nach oben heiraten, ist bei Herrn Woinoff wohl nicht angekommen. Andererseits: ohne provokante Thesen kannste kein Buch verkaufen. Und auch kein Spiegel-Interview bekommen. So gesehen hat dann doch alles seine Richtigkeit.

Exklusiv

Nicht erst in Zeiten des Internets ist es zu einer Entehrung des Begriffes “Exklusiv” gekommen. Doch sowohl bei SpiegelOnline und welt.de ist derzeit offenkundig, was heute exklusiv heißt: Artikel, die selbstgeschrieben sind. Dabei ist das ja nicht einmal falsch: tatsächlich wird man diese Artikel ausschließlich auf den jeweiligen Nachrichtenseiten wiederfinden.

Hier die Beispiele:
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SpiegelOnline exklusiviert einen launigen Artikel über DSDS, eine Story über Terror, an der laut Autorenzeile drei Journalisten gesessen haben, eine Vorabinfo aus dem neuen Spiegel, einen Artikel von Henryk M. Broder und einen Artikel über Arschgeweihe. Man merkt es schon: irgendwie passt das alles nicht zusammen. Und eigentlich sind nur eineinhalb Geschichten wirklich im alten Sinne exklusiv.

Das gleiche Bild bei der Welt:
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Eine Geschichte über Müntes letzten Tag, wirklich schön geschrieben und nirgends sonst gesehen. Dann aber: Formel 1. Wer da gewonnen hat, wissen anscheinend auch nur die Damen und Herren der Welt-Gruppe.

Am Konsequentesten ist da noch der Tagesspiegel, der der Exklusivität gleich eine eigene Seite eingerichtet hat:
www.tagesspiegel.de/exklusiv

Dort finden sich ebenfalls die auch an die Agenturen versandten Vorabmeldungen der Berliner Tageszeitung, die sich vor allem durch die Kunst auszeichnen, in jeden zweiten Satz die Worte “sagte xx dem Tagesspiegel” unterzubringen.

Die lustigste Exklusiv-Rubrik hat die Zeit:
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Was sich hinter den Bildern verbirgt? Man weiß es nicht so genau, hilft nur Ausprobieren. Olympia führt zu einem Olympia-Blog eines Sportreporters. Sehr exklusiv! “Verreisen” führt zu einer Google-Karte, auf der man einige Reiseartikel der Zeit an den Orten ihres Geschehens eingezeichnet hat. Ultra-exklusiv! Und wohin führt USA-Wahlen? Natürlich auf eine Seite, auf der alle Artikel zu den USA-Wahlen aufgeführt sind. Exklusiver geht’s nicht.

Dieser Artikel ist übrigens auch vollkommen exklusiv – nur hier auf neosushi. Weitersagen!

Juden und Humor

Okay, wahrscheinlich werde ich als Antisemit (oder Philosemit, je nachdem) gegeißelt, aber die Überschrift musste sein. Denn: der beste, weil lustigste Text, den ich seit langem in der Zeit gelesen habe, stammt von einem Juden, von Tuvia Tenenbom, der, so die Vita, Stücke geschrieben hat wie “The Last Virgin”, das im vergangenen Jahr unter anderem im Frankfurter English Theatre gegeben wurde. Er ist Gründer und Direktor des Jewish Theater of New York und schreibt in der Zeit davon, wie er mal mit George Bush nach Saudi-Arabien reiste. Schon die Anlese ist toll: “Als Jude kann ich nicht nach Saudi-Arabien reisen. Ich habe es trotzdem getan. Zusammen mit George W. Bush. Weil ich herausfinden wollte, was die Saudis eigentlich gegen uns haben.” Die Geschichten, Anekdoten, die Tenenbom zu erzählen hat, sind skurril, lustig, anrührend. Und er kann schreiben. So schreiben, dass ich über einen recht langen Text hin nie gelangweilt bin. Beispiel? Okay:

“Begleitet den amerikanischen Präsidenten”, stempelten die Saudis auf meinen Pass. Heißt das, ich muss auch mit Bush ausreisen? Ich weiß es nicht, und es ist mir egal, ich nehme ein Flugzeug und fliege nach Saudia. Ich, ein Mann, der im Hauptberuf künstlerischer Leiter des Jewish Theater of New York ist! Normalerweise würden die Saudis lieber einen Herzinfarkt erleiden, als mich in ihrem Land zu sehen. Aber heute müssen sie eine Ausnahme machen, und mit geht es fantastisch: Ein Mann, geboren in einem Land, das nicht existiert, erzogen in einer Religion, die nicht existiert, wandelt auf den Straßen von Saudia, und keiner stoppt dieses Ufo. Toll!

Den Rest in der gedruckten Zeit. Die den Kauf wegen dieses Artikels schon lohnt, denn online ist der Artikel (so jedenfalls das Ergebnis meiner Kurzrecherche) noch nicht zu sehen. Ach, könnte ich nur schreiben wie Tuvia Tenenbom …

Musikmesse

Heute ging sie zu Ende, gestern war ich nochmal ne halbe Stunde da. Ziemlicher Geräuschteppich, zumindest in der gitarrigen Halle 4. Und warum man unbedingt halbnackte Frauen in Highheels braucht, um Instrumente zu verkaufen, habe ich auch nicht verstanden. Dafür haben dann Typen wie der hier entschädigt. Cool, oder?
auf der frankfurter musikmesse

Glaube, Liebe, Hoffnung

Fruehlingsknospe

Jetzt wo die Frühlingsstürme die Winterdepression wegfegen und die Sonne die schweren Gedanken vertreibt und man selbst zwischen den hypercoolen Hochhausgetürmen Freudensprünge wagen kann und ein Liedchen trällern, kann es ja nicht falsch sein, auch mal das Gute auszusprechen. Überall diese schlechten Nachrichten – erst recht was den Journalismus, ja die Medien im Allgemeinen angeht. Warum das so ist? Ich wage mal die These: weil wir selbst gerne das Schlechte hervorheben, egal, wo auf der Welt. Die Politik: verdorben. Die Zukunft: verdüstert. Unsere Jugend: verdummt. Und so weiter. Als Journalist pflegt man die Angewohnheit, skeptisch zu sein. Grundsätzlich ja gut. Aber man soll ja nichts übertreiben, auch das Schlechtreden, -finden und -machen nicht. Nur ist man’s ja sooo gewohnt. Auch die tollste Sache der Welt muss doch einen Haken haben, oder? Wo ist die schlechte Seite der Medaille? Wo der Aufhänger? Na, vom amerikanischen Journalismus könnte man sich zumindest hier in Deutschland mal die Seite abschneiden, manche Sachen auch einfach mal großartig zu finden. Oder auch mal seine Meinung zu sagen und nicht zum Einerseits-andererseits-Mensch zu werden. Sonst endet man als Zyniker oder Depressiver oder Alkoholiker oder gleich alles zusammen. Insbesondere wenn man den eigenen Berufsstand ebenso im Verfall sieht wie den Rest Welt. Beides ist nämlich falsch.

Also ein paar frühlingshafte Thesen zur Zukunft des Journalismus:

  • Die zwischenmenschliche Kommunikation steigt rapide. Und wenn Menschen kommunizieren, brauchen sie Informationen, Ideen, Inspiration. Und gelesen wird auch immer mehr. Egal, was Steve Jobs sagt.
  • Der Journalismus ist keine Gilde, keine Kaste und keine Zunft. Und das ist verdammt nochmal gut so. Dass die Hürde selbst zum Produzenten von Nachrichten zu werden rapide gesunken ist, kann nichts anderes als eine Stärkung der Demokratie bedeuten. Herrschaftswissen gibt es weniger, dafür mehr Macht beim Volk. Warum die gleichen Journalisten, die wie die Besessenen der freien Marktwirtschaft das Schwert führen, ihren eigenen Berufsstand mit aller Macht vor den so gescholtenen “Laien” zu verteidigen suchen, muss man auch erstmal verstehen. Es ist jedoch gewiss kein Zufall.
  • Es gibt keinen Niedergang der Medien, nur einen der Massenmedien. Es ist ein Wandel im Gang. Zusammen mit der fortschreitenden Individualisierung der Gesellschaft und der massiven Umverteilung der medialen Produktionsmittel ergibt sich eine Aufsplitterung – in verschiedene Medienformen, von denen das Internet die breitesten Ausdrucksmittel bietet. Aber auch in verschiedene Medien. Dass die Auflage der Printmedien insgesamt sinkt, ist kein Zeichen für die zunehmende Kulturverlassenheit unserer Gesellschaft. Es ist nur ein Zeichen von Revolution. Und dass die Bild-Zeitung am stärksten vom Auflagenschwund betroffen ist wirklich nicht so übel, oder?
  • Die gleiche These der Zersplitterung und Re-Individualisierung trifft auch auf das politische Engagement zu. Für sich betrachtet mag der Mitgliederschwund bei den großen Volksparteien, das Desinteresse bei politischen Themen und auch die sich verringernde Wahlbeteiligung ein Skandal, ein Verlust, ein Warnzeichen sein. Doch letztendlich sind die Möglichkeiten nur größer geworden, sich politisch zu betätigen. Der Aufstieg von Nichtregierungsorganisationen, die breite Diskussion innerhalb der von den Mainstream-Medien weitgehend im wahren wie übertragenen Sinne links liegen gelassenen Gegenöffentlichkeit, die Bildung neuer und durchaus erfolgreiche Parteien – dies alles belegt eher eine zunehmend politisierte, eine interessierte und neugierige Gesellschaft.
  • Die Jugend ist schlauer als gedacht. Und die Lästerei über sie mag man kaum mehr hören. Jede Generation hat sich das anhören müssen. Dass sie aus Taugenichtsen bestehe, dass sie an der Gesellschaft nicht teilhabe, dass sie kurzum: desinteressiert sei. Wie jeher könnte nicht ferner der Realität sein. Und dass die Jugend der Erwachsenenwelt auf die Nerven geht – nun gut, das war und ist nun mal ihr Job.

Es sind die Zutaten für eine große Zukunft. Eine spannende, weil noch undefinierte Zukunft. Aber welche Zukunft stand denn je fest? Schöpfen wir also Glaube, Liebe, Hoffnung. Und genießen den Frühling. Der beginnt offiziell am 21. März. Spätestens dann wird’s Zeit für ein paar gute Nachrichten.

Maunzenweiher

am maunzenweiher
Am Maunzenweiher im Frankfurter Stadtwald spiegeln sich Bäume im Wasser.

Jetzt neu!

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via

PS: Ja, demnächst schreib ich auch mal wieder was. Heute nicht.

Wie SuperMario für Mario aussieht

super500.jpg
via

Library of Congress

Schon cool, was die Library of Congress da auf ihrem flickr-Account so veröffentlicht:
Glass house-girl
http://www.flickr.com/photos/library_of_congress/2179137591/

Palmer, Alfred T.,, photographer. This girl in a glass house is putting finishing touches on the bombardier nose section of a B-17F navy bomber, Long Beach, Calif. She’s one of many capable women workers in the Douglas Aircraft Company plant. Better known as the “Flying Fortress,” the B-17F is a later model of the B-17 which distinguished itself in action in the South Pacific, over Germany and elsewhere. It is a long range, high altitude heavy bomber, with a crew of seven to nine men, and with armament sufficient to defend itself on daylight missions – 1942 Oct.