Was Hedge-Fonds-Manager so erzählen

nplus1Aus aktuellem Anlass empfehle ich folgendes Interview aus n+1, ein sowieso recht grandioses Magazin, das zu kaufen ich nur empfehlen kann. Auch weil die Texte eigentlich nix für online sind, weil zu lang. Und Printjournalismus auf diesem Niveau sowieso unterstützt gehört.

n+1: And so the computers themselves are making these trades?
HFM: You build the models and the computer does the trading. You actually do all the analysis. But it’s too many stocks for a human brain to handle, so it’s really just guys with a lot of physics and hardcore statistics backgrounds who come up with ideas about models that might lead to excess return and then they test them and then basically all these models get incorporated into a bigger system that trades stocks in an automated way.
n+1: So the computers are running the…
HFM: Yeah, the computer is sending out the orders and doing the trading.
n+1: It’s just a couple steps from that to the computers enslaving—
HFM: Yes, but I for one welcome our computer trading masters.

Interview with a Hedge Fund Manager, 7. Januar 2008, n+1

hier aufgestöbert

Irgendwie süß

Graffiti removal hotline
by wooster collective

Sperrfristen

Heute gab es mal wieder eine Sperrfrist. Also anders gesagt: der Hessische Rundfunk wollte nicht, dass die Journalisten, die heute mittag bei der Aufzeichnung des Fernsehduells waren, ihre Erkenntnisse vor der Ausstrahlung der Sendung um 20.15 Uhr verbreiten. So etwas ähnliches gab es schon am Freitag, wie das Handelsblatt berichtet.

Schade, dass dann schon kurz nach Ende der Aufzeichnung erste Details bei hr-online stehen und die dann bis zum Abend richtig schön ausgebaut sind, inklusive einige Audio- und Videozitate aus dem Dreh. So dass die Sperrfrist ja eigentlich unnötig war. Zumindest in dem Sinn, dass jemand die Sendung langweilig finden könnte, jetzt wo er schon ALLES weiß. Natürlich weniger in dem Sinn, dass die einzige Informationsquelle die Online-Seiten der ARD-Anstalt waren. Zumindest für einige Stunden.

So gesehen stimmt’s schon: die Sperrfrist gehört abgeschafft. Oder einfach ignoriert.

Du gibscht mir jetzt den Boba Fett mit oder …


hier aufgegabelt

Ohne Worte

Alle grundrechtlich geschützten Bereiche enden irgendwo. Wo diese Grenzen sind, wie man die gegensätzlichen Interessen abgrenzt, ist Sache des Gesetzgebers. Ich verstehe, dass manche Verfassungsrichter gern Ratschläge geben würden. Dazu sind sie aber nicht demokratisch legitimiert. Sie haben – und das ist genauso wichtig – zu entscheiden, ob rechtliche Regeln eingehalten werden. Wenn sich alle an diese Begrenzungen der Kompetenzen halten, ist es ein fruchtbares Miteinander.

Wolfgang Schäuble im interview mit der Welt.

Kurze Frage …

Jetzt, wo selbst die Supernanny Koch Ahnungslosigkeit vorwirft – muss er da nicht auf die stille Treppe?

Apples Thin Obsession

Goetheplatz

Goetheplatz

Samstagabend …

… bin ich auf folgender Veranstaltung eingeladen. Und Ihr hiermit auch :)

Multi-Speed-Dialog

Die große Koalition rettet die Welt

Die SPD in Hessen ist außer sich vor Freude: hat doch schließlich die englische Tageszeitung Guardian ihren Wirtschaftsschattenminister Hermann Scheer zu den 50 Leuten gezählt, die die Erde retten könnten (man beachte den Konjunktiv). Das Dumme ist nur, dass Angela Merkel die zweite Person aus Deutschland auf dieser Liste ist. Und niemand von den Grünen, was an sich ja schon irgendwie ein Skandal ist. Diesbezüglich sei angemerkt, dass der Guardian auf der Liste der zehn schönsten Bars des Planeten einst auch die Offenbacher Kneipe “Weiss” aufgeführt hat – die sicherlich schön ist und auch stilbildend für ihr Frankfurter abgekupfertes Pendant “Ich weiss“, aber sicherlich nicht zu den zehn schönsten der Welt zählt. Was dann die Liste der 50 Klimaschützer wieder relativiert.

Die Regierung hat immer recht

Ich glaube, wir müssen offener mit den Problemen umgehen und dem Publikum klarer machen, dass wir nur eine Version der Wahrheit abbilden. Aber ist das Publikum wirklich bereit, das zu hören? Dass wir vielleicht von unserer eigenen Regierung manipuliert werden? Ich glaube, viele Leute schalten die Nachrichten ein, um zu hören, dass ihre Regierung letztendlich recht hat.

“Schon unser Vokabular ist parteiisch”, der Auslandskorrespondent Joris Luyendijk in der taz.

Das Ende des Feuilletons

Kultur versus Feuilleton

Immerhin: in den gedruckten Zeitungen pflegt das Feuilleton noch ein Auskommen. Ein gar stattliches teilweise sogar, wie etwa bei der Süddeutschen Zeitung, die sich nicht zu fein ist, das Feuilleton bereits direkt nach dem Hauptteil einzulegen – und nicht etwa, so wie es alle tun, zuerst den Wirtschafts- und Finanzteil zu zeigen. Die Kultur, so soll das wohl aussehen, die wird bei uns noch hochgehalten. Nun, wie wir seit der Simpsons-Episode vom vergangenen Sonntag wissen sterben die Printmedien. Und damit auch das Feuilleton.

Bleiben wir doch bei der Süddeutschen. Gibt es das Feuilleton in der Online-Ausgabe? Nein. Dort gibt es nur Kultur. Und die ist in der Reihenfolge nicht nur hinter die Politik, sondern auch hinter Wirtschaft und Finanzen gerutscht.

Das gleiche trostlose Bild bietet sich bei der Welt, die in ihrer Printausgabe das Feuilleton so pflegt. Im Zuge der Online-Offensive musste das Wort weichen. Auch hier wieder: Kultur.

Der Spiegel war wenigstens immer so ehrlich, Kultur Kultur zu nennen und macht das selbstverständlich auch online.

Die Frankfurter Rundschau versteckt ihr Feuilleton hinter dem Kulturbegriff. Erst klickt man auf “Kultur & Medien”, dann erst bricht sich das Feuilleton Bahn. Allerdings gleichberechtigt neben Musik, Film, Literatur, Architektur und eben Medien. Wenn es eine weitere Entwertung des Begriffes Feuilleton gebraucht hätte – hier ist sie. Ähnlich verfährt die Zeit, wenn auch nicht ganz so schwammig.

Und das die WAZ mit ihrem Web 2.0-Portal derwesten den Kulturbegriff ganz hoch, und das Feuilleton ganz unten hält, war ja sowieso klar. Schlimmster Sündenfall: Googlenews, die nicht nur das Feuilleton, sondern gleich den Kulturbegriff abgeschafft haben. Dort findet man eine Filmkritik unter der Rubrik Unterhaltung – eingekeilt zwischen “Nachrichten” aus dem Dschungelcamp oder über die No Angels.

Immerhin, bei der FAZ hat das Feuilleton ein Refugium. Natürlich. Vielleicht traut man dort den Lesern noch zu, das sie mal eine Tageszeitung in der Hand hatten oder wissen, was hinter dem Begriff Feuilleton so alles steckt. Der Grund könnte auch darin liegen, das eigentlich jede Untersuchung über Tageszeitungen ergeben hat, dass das Feuilleton so gut wie nicht gelesen wird. Was sehr schade ist, einerseits. Sich andererseits in der Onlinewelt natürlich noch viel genauer nachvollziehen lässt. Deswegen stehen jetzt in den Online-Kulturteilen auch Bildergalerien über das neue Bond-Girl oder über irgendwelche Theaterstücke, in denen sich die Darsteller mal wieder ausziehen und gegenseitig mit Kunstblut beschmieren mussten. Das ist sicher sehr unterhaltend. Feuilletonistisch aber nicht mehr. Was wir daraus schließen können: Heinrich Heine wäre bestimmt kein Online-Journalist geworden. Und in wenigen Jahren werden wir den Begriff Feuilleton nur noch im Französischunterricht kennenlernen. Als das, was es ist: ein Blättchen. Und Blätter gibt’s nicht mehr. Nur noch Klicks, Klicks, Klicks.